Digitale Diktiergeräte erleben durch KI-gestützte Transkription eine wahre Renaissance. Geräte wie Plaud Note oder Plaud NotePin verbinden klassische Audioaufnahmen mit automatischer Verschriftlichung und Zusammenfassungen. Mit dem BOYA Notra setzt der Mikrofonhersteller BOYA nun ein ähnliches Konzept um.
Haftet auf der iPhone-Rückseite: Das KI-Diktiergerät BOYA Notra
Das Gerät kostet aktuell rund 134 Euro auf Amazon und kombiniert Aufnahmehardware mit einer Cloud-basierten KI-Auswertung. Im Alltag zeigt sich schnell, dass das Notra weniger als klassischer Audiorekorder gedacht ist, sondern als Teil eines Systems aus Hardware, App und Online-Dienst.
Aufnahmegerät mit mehreren Betriebsmodi
Das BOYA Notra ist ein sehr flaches Gerät aus Aluminium mit den Abmessungen 6 × 6 × 0,6 Zentimeter und einem Gewicht von 45 Gramm. Ein integrierter Magnet erlaubt es, den Recorder auf der MagSafe-Rückseite des iPhones zu befestigen. Die Aufnahme startet über eine einzelne Taste, wodurch sich Gespräche schnell festhalten lassen.
Das kleine MagSafe-Quadrat fällt im Alltagseinsatz fast nicht auf
Im Inneren arbeiten zwei Mikrofone mit KI-gestützter Rauschunterdrückung. Laut Hersteller kann das Gerät Sprache aus bis zu zehn Metern Entfernung erfassen. Die maximale Aufnahmezeit liegt bei etwa 24 Stunden pro Akkuladung, während der interne Speicher von 64 Gigabyte theoretisch mehrere tausend Stunden Audio aufnehmen kann.
Schneidet auch AirPods-Telefonate mit
Eine Besonderheit ist das sogenannte Tri-Mode-Recording. Das Gerät kann nicht nur Gespräche im Raum aufnehmen, sondern auch Telefonate oder Audio über gekoppelte Bluetooth-Kopfhörer. In der Praxis bedeutet das beispielsweise, dass sich Telefonate über ein Headset oder über AirPods mitschneiden lassen, wenn das Gerät entsprechend verbunden ist.
Die App funktioniert ist aber leider ist sehr rudimentär gestaltet
Allerdings ist die Konfiguration hier vergleichsweise umständlich. Für die Aufnahme von AirPods-Telefonaten muss das Diktiergerät zusätzlich per USB-C-Kabel mit dem iPhone verbunden werden und besteht anschließend darauf, dass die AirPods direkt mit der App des Anbieters gekoppelt werden. So funktioniert die Aufnahme von AirPods-Telefonaten zwar, lässt sich aber nicht spontan anstoßen, sonder muss stets mitgedacht und vorbereitet werden.
Der Hersteller positioniert das Notra daher für Situationen wie Meetings, Interviews oder Vorlesungen. Die Aufnahme selbst funktioniert auch ohne aktive App, wobei die Dateien später automatisch mit dem Smartphone synchronisiert werden können. Dies funktioniert sowohl per Bluetooth (eher langsam) als auch per direkter WLAN-Verbindung zwischen iPhone und Rekorder.
KI-Transkription und Cloud-Dienst im Mittelpunkt
Der eigentliche Funktionsumfang liegt weniger in der Aufnahmehardware als in der Software. Das System transkribiert Gespräche automatisch und kann daraus strukturierte Zusammenfassungen, Mindmaps oder Protokolle erstellen.
Beispiel: Deutschlandfunk-Nachrichten vom 11. März um 13:30 Uhr
Die Transkription unterstützt mehr als 140 Sprachen und erkennt unterschiedliche Sprecher in einem Gespräch. Zusätzlich stehen über 60 Vorlagen zur Verfügung, mit denen sich aus einer Aufnahme beispielsweise ein Meeting-Protokoll, eine Aufgabenliste oder eine Zusammenfassung erstellen lässt.
Auf Wunsch gleicht sich die App mit der Cloud-Plattform des Anbieters ab
Technisch basiert die Auswertung auf mehreren großen Sprachmodellen wie ChatGPT, Gemini oder Claude, die über den Cloud-Dienst des Herstellers angesprochen werden.
Im Alltag zeigt sich, dass diese Funktionen den größten Unterschied zu einer einfachen Aufnahme mit dem Smartphone ausmachen. Während eine Aufnahme in der Sprachmemo-App zunächst manuell exportiert und transkribiert werden müsste, erfolgt beim Notra der gesamte Ablauf innerhalb einer einzigen Anwendung. Aufnahme, Transkription und Zusammenfassung werden automatisch verknüpft.
Transkripte, MP3s, Mindmaps und Zusammenfassungen lassen sich exportieren
Das System arbeitet allerdings mit einem Minutenkontingent für Transkriptionen. In der kostenlosen Stufe stehen monatlich 320 Minuten zur Verfügung. Wer mehr Audio auswerten möchte, muss kostenpflichtige Tarife mit höherem Kontingent oder unbegrenzter Nutzung buchen.
Einordnung im Vergleich zu Plaud
Das Konzept des BOYA Notra erinnert stark an Produkte wie das Plaud Note oder den Plaud NotePin. Auch dort besteht das System aus einem kleinen Recorder, einer Smartphone-App und einem KI-Dienst für Transkription und Analyse.
Das Plaud Note ist schmaler und länger, benötigt zum Haften aber eine Hülle
BOYA erweitert das Konzept vor allem um zusätzliche Aufnahmewege. Im Vergleich zum Plaud Note Pro kann das Gerät beispielsweise Audio über Kopfhörer mitschneiden, während andere Recorder sich meist auf Raumaufnahmen oder direkte Telefonate beschränken. Außerdem setzt BOYA auf USB-C zum Laden, während die Konkurrenzmodelle von Plaud proprietäre Ladeanschlüsse verwenden.
Im Alltag wirken Hardware und App jedoch eher funktional als besonders ausgearbeitet. Die Oberfläche ist schlicht und konzentriert sich auf die Kernfunktionen Aufnahme, Transkription und KI-Zusammenfassung.
Entscheidender Nachteil: Benutzerdefinierte Vorlagen gibt es bei Boya nur in den Bezahltarifen
Der Unterschied zeigt sich auch bei den Vorlagen für die KI-Auswertung. Während Plaud in seiner aktuellen App-Version auch in der kostenlosen Basisstufe das Erstellen eigener Vorlagen erlaubt, ist dies beim BOYA Notra eingeschränkt. Hier stehen zunächst nur die vom Hersteller bereitgestellten Templates zur Verfügung. Eigene Vorlagen lassen sich erst in kostenpflichtigen Abonnementstufen anlegen. Interessant ist, dass Plaud früher ein ähnliches Modell hatte. Mit einer späteren Überarbeitung der App wurde die Struktur jedoch vereinfacht, sodass Nutzer heute auch ohne kostenpflichtigen Tarif eigene Auswertungslogiken definieren können.
Plaud hingegen hat die eigene Tarifstruktur zuletzt stark vereinfacht und unterscheidet nur noch die Minuten
Die grundsätzliche Frage bleibt dabei dieselbe wie bei vergleichbaren Geräten: Ein Teil der Funktionen hängt dauerhaft vom Cloud-Dienst des Herstellers ab. Sollte dieser Dienst eingestellt werden, verliert die Hardware ihren Nutzen. Gleichzeitig profitieren Nutzer davon, dass Aufnahme, Speicherung und Auswertung in einer zentralen Anwendung zusammengeführt werden.
Das BOYA Notra richtet sich damit vor allem an Menschen, die regelmäßig Gespräche dokumentieren müssen, etwa in Meetings, Interviews oder Beratungen. Für gelegentliche dürfte hingegen auch das iPhone, die Sprachmemos-App und der anschließende Umweg über ChatGPT, Claude oder Gemini ausreichen.
Im Rahemn der Frühlingsangebote ist das BOYA Notra aktuell in drei Farben zum Sonderpreis von 134 Euro erhältlich.
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