Ich starte diesen Artikel mit einem Geständnis: Ich liebe Self-Checkout-Kassen. Beim großen schwedischen Möbelhaus IKEA sind die Self-Scan-Terminals schon seit längerem Bestandteil des Kassenvorgangs, und nun rüsten auch immer mehr Supermärkte, Discounter und Drogeriefilialen auf. Erst kürzlich konnte ich mit großer Freude feststellen, dass auch mein Rossmann um die Ecke jetzt drei Self-Checkout-Kassen im Kassenbereich aufgebaut hat.
Einkaufen ist oft schon nervtötend genug: Da bin ich mehr als nur begeistert, wenn ich mich für die paar Dinge, die in meinem Einkaufskorb liegen, nicht auch noch in eine ellenlange Kassenschlange genervt seufzender, ungeduldiger Menschen einreihen muss. Artikel in unter einer Minute schnell selbst scannen, per Apple Pay bezahlen, Bon ausdrucken, einpacken, und schnell raus aus dem Laden. So einfach kann es gehen.
Oder auch nicht: Denn der Discounter Netto (der ohne Hund im Logo), gehörend zur Edeka-Gruppe, führt derzeit in ausgewählten Filialen ein neues Konzept für Self-Checkout-Kassen ein. Dabei darf nur eine registrierte Stammkundschaft, die über die Netto-Plus-App (App Store-Link) oder ein Payback-Konto verfügt, die Selbstbedienungskassen nutzen. Erste Beobachtungen zeigen, dass diese Maßnahme zu leeren Self-Checkout-Bereichen und längeren Warteschlangen an den bedienten Kassen führt, wie SupermarktBlog berichtet.
Die Umstellung zielt vermutlich darauf ab, Diebstahl zu reduzieren und die Nutzung der hauseigenen App zu fördern. Kunden und Kundinnen, die nicht registriert sind, werden an die Kassen mit Personal verwiesen. Dies führe laut SupermarktBlog und dessen dort gemachten Erfahrungen oft zu Verwirrung und Unmut, da viele den Self-Checkout eigentlich bevorzugen, nun aber auf die klassischen Kassen ausweichen müssen. Die Filialen testen das Konzept in „regional ausgewählten Märkten“, ohne jedoch konkrete Zahlen oder Standorte zu nennen.
Self-Checkout-Terminals werden immer beliebter
Keine App, keine Self-Checkout-Nutzung: Netto schränkt den Kassenvorgang ein. Fotos (c) SupermarktBlog.
Parallel dazu setzt Netto auf schlankere und kostengünstigere Self-Checkout-Terminals. Die neuen Geräte sind modular aufgebaut, mit offen verbauten Displays und Bezahlterminals, was Wartung und Reparatur erleichtern soll. Die Terminals sind nicht mehr wandfest installiert, sondern stehen zwischen den bedienten Kassen, was die Aufsicht vereinfachen könnte. Auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Live-Videoüberwachung oder Auslass-Gates wird jedoch verzichtet.
Laut einer Studie des EHI Retail Institute hat der Self-Checkout in Deutschland bereits eine „ansehnliche Marktbedeutung“ erreicht. Viele Händler planen, die Technologie bei Umbauten oder Neueröffnungen einzuführen. Besonders im Discountbereich wird weiteres Wachstum erwartet. Netto (der ohne Hund) experimentiert schon seit Jahren mit verschiedenen Kassenkonzepten und setzt nun erneut auf die Selbstbedienungstechnologie, allerdings mit strengen und nur wenig verständlichen Zugangsbeschränkungen.
Man fragt sich demnach, ob die Zwangsregistrierung nicht eher die eigene Kundschaft verärgert als Diebstahl zu verhindern. Ob das neue Konzept langfristig erfolgreich sein wird, bleibt daher abzuwarten. Netto (ohne Hund) scheint jedoch bereit, ein entspanntes Kassenerlebnis zugunsten interner Ziele wie Diebstahlprävention und App-Nutzung zurückzustellen. Ich persönlich wäre nicht bereit, mir zur Nutzung eines Self-Checkout-Kassenterminals extra eine App des Anbieters herunterzuladen und mich zu registrieren.
Wie sieht es bei euch aus, nutzt ihr Self-Checkout-Kassen schon für eure Einkäufe? Sind die Terminals in euren bevorzugten Geschäften bereits vorhanden? Würdet ihr das Terminal nutzen, wenn ihr dafür eine App herunterladen müsstet? Wir sind wie immer gespannt auf eure Meinungen zum Thema.
Netto-App (Kostenlos, App Store) →
Der Beitrag Nur mit App: Netto testet exklusive Self-Checkout-Kassen für Stammkundschaft erschien zuerst auf appgefahren.de.
