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Manche Menschen können ihr Smartphone einfach nicht weglegen, selbst wenn sie es wollen. Eine große Studie mit über 800 Teilnehmern hat jetzt drei psychologische Mechanismen identifiziert, die hinter diesem Kontrollverlust stecken. Die Ergebnisse des Teams um den Psychologen Matthias Brand zeigen, warum Betroffene unterschiedlich ticken – und wie Therapien in Zukunft gezielter helfen könnten.
Eine problematische Internetnutzung entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Gesundheitsproblem in der Gesellschaft. Ein Forscherteam um den Psychologen Matthias Brand untersuchte daher die zugrundeliegenden psychologischen Mechanismen genauer.
Die Wissenschaftler testeten über 800 Versuchspersonen mit standardisierten Interviews, kognitiven Aufgaben und Fragebögen. Ziel war es, die Ursachen für den aktuellen und zukünftigen Kontrollverlust beim Surfen, Spielen oder Einkaufen im Netz zu verstehen.
Stressflucht ins Netz: Wenn Gefühle den Konsum steuern
Die Studie zeigte drei miteinander verbundene Wege auf, die zu einer problematischen Nutzung führen. Der erste Weg wird von Gefühlen gesteuert und belohnt die Nutzer in ihrem Handeln.
Menschen konsumieren demnach digitale Inhalte, um ihren Alltagsstress zu bewältigen und negativen Stimmungen zu entkommen. Dieses Verhalten erzeugt ein starkes Verlangen, immer wieder online zu gehen, da die virtuelle Welt eine emotionale Erleichterung verschafft.
Internetsucht: Warum greifen wir automatisch zum Smartphone?
Der zweite Mechanismus beschreibt den Übergang zur reinen Gewohnheit bei der Mediennutzung. Nutzer würden Spiele oder soziale Netzwerke ganz automatisch ohne nachzudenken auf ihren Geräten aufrufen.
Dieses Verhalten zielt darauf ab, negative Emotionen von vornherein zu vermeiden und eine Ablenkung zu schaffen. Eine grundsätzliche Aufmerksamkeitsstörung oder Impulsivität der Person spielt bei dieser fortschreitenden Automatisierung eine entscheidende Rolle.
Fehlende Impulskontrolle: Wenn das Aufhören unmöglich wird
Der dritte Weg betrifft die kognitive Kontrolle, also die grundlegende Unfähigkeit, eine begonnene Handlung rechtzeitig zu beenden. Betroffene würden verringerte exekutive Funktionen aufweisen, wodurch sie ihre eigenen Impulse schwerer regulieren können.
Sobald sie mit dem Konsum digitaler Inhalte beginnen, versagt die notwendige Hemmkontrolle. Sie können das genutzte Endgerät nicht mehr ausschalten, selbst wenn sie dieses Ziel eigentlich verfolgen.
Wie Therapien künftig gezielt bei Internetsucht helfen
Alle drei psychologischen Antriebe erklären im Zusammenspiel über sechzig Prozent der gemessenen Symptome bei den Teilnehmern. Auch sechs Monate später erwiesen sich diese Mechanismen noch als zuverlässige Vorhersagen für das Nutzungsverhalten der untersuchten Personen. Die Forscher sehen in diesen Erkenntnissen ein großes Potenzial für die medizinische Praxis. Künftige Behandlungen ließen sich so genauer auf das jeweilige Hauptproblem der betroffenen Patienten zuschneiden.
Je nachdem, welcher Mechanismus dominiert, dürften künftig unterschiedliche Therapieansätze in der Praxis helfen. Wer das Internet vorrangig zur Stressbewältigung nutzt, könnte von einem Training zur Emotionsregulation profitieren. Wem hingegen die Hemmkontrolle fehlt, dem würde ein spezielles Training zur Stärkung der Impulskontrolle helfen. Das Autorenteam um Matthias Brand erklärte zu den therapeutischen Möglichkeiten:
Kliniker sollten systematisch die Haupttreiber der problematischen Internetnutzung bei ihren Patienten erfassen und dann die optimalen Interventionen auswählen, um gezielt die jeweiligen Wege anzusprechen. Dies könnte beispielsweise durch die Kombination klassischer kognitiver Verhaltenstherapie mit spezifischen affektiven oder kognitiven Trainings geschehen.
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