Die Fast-Fashion-Applikation Shein sitzt aktuell auf dem zweiten Platz der Shopping-Charts des App Stores, überholt nur noch vom ebenfalls aus China stammenden Billig-Versender Temu – beide Apps teilen mehrere Merkmale, die bei hiesigen iPhone-Nutzern offenbar gut ankommen.

Sowohl Shein als auch Temu setzen auf das Gegenteil von Nachhaltigkeit und machen den günstigen Waren-Konsum zum Hauptmerkmal ihres Produktversprechens. Schnell und viel bestellen, zu wahnsinnig günstigen Preisen, ohne die Folgen und Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens dabei großartig zu reflektieren.

Einstufung als VLOP vorgenommen

Shein ist inzwischen so populär, dass die Europäische Kommission das Online-Modeunternehmen heute offiziell als eine „sehr große Online-Plattform“ (VLOP, kurz für „Very Large Operating Platforms“) gemäß des neuen Gesetzes über digitale Dienste (DSA) eingestuft hat. Shein würde monatlich mehr als 45 Millionen Nutzer in der Europäischen Union erreichen und damit die festgelegte Schwelle einer VLOP überschreiten.

Mit der Einstufung als VLOP muss Shein innerhalb von vier Monaten nun die strengeren Regelungen des DSA umsetzen. Diese umfassen unter anderem spezielle Maßnahmen zum Schutz der Nutzer, einschließlich Minderjähriger, und die Minderung systemischer Risiken, die von ihren Diensten ausgehen könnten.

Umsetzung bis August

Shein wird damit unter anderem verpflichtet, die Überwachung auf illegale Produkte zu intensivieren, sowie das Design und die Funktionsweise seines Dienstes auf Kompatibilität mit den europäischen Vorgaben hin abzuklopfen.

Shein wird zudem mögliche Risiken für die Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher bewerten müssen, besonders mit Blick auf die jüngsten Nutzer. Hier bleibt noch abzuwarten, welche Geschäftsbereiche die EU zukünftig genauer beleuchten wird.

Deutsche Verbraucherschützer kritisierten zuletzt unverhältnismäßig hohe Bearbeitungsgebühr, schlechte Qualität und falsche Materialien sowie Probleme bei Rücksendung und Widerruf.

‎SHEIN – Shopping Online (Kostenlos, App Store) →

Shein hat nun bis August Zeit, sich unter anderem um die Umsetzung folgender Vorgaben zu kümmern:

Stärkung der Handlungsfähigkeit der Nutzerinnen und Nutzer:

Die Nutzer erhalten klare Informationen darüber, warum ihnen bestimmte Inhalte empfohlen werden, und haben das Recht, sich gegen auf Profiling beruhende Empfehlungssysteme zu entscheiden.
Die Nutzerinnen und Nutzer werden illegale Inhalte leicht melden können, und die Plattformen müssen solchen Meldungen sorgfältig nachgehen.
Werbung darf nicht auf der Grundlage sensibler Daten des Nutzers angezeigt werden (z. B. ethnische Herkunft, politische Meinungen oder sexuelle Ausrichtung).
Die Plattformen müssen jegliche Werbung kennzeichnen und die Nutzer darüber informieren, wer sie finanziert.
Die Plattformen müssen eine leicht verständliche und klare Zusammenfassung ihrer allgemeinen Geschäftsbedingungen in allen Sprachen der Mitgliedstaaten, in denen sie tätig sind, bereitstellen.

Starker Schutz Minderjähriger:

Die Plattformen müssen ihre Systeme umgestalten, um für ein hohes Maß an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz von Minderjährigen zu sorgen.
Gezielte Werbung auf der Grundlage des Profilings von Kindern sind nicht mehr zulässig.
Besondere Risikobewertungen, auch in Bezug auf negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, sind der Kommission vier Monate nach der Benennung vorzulegen und spätestens ein Jahr später zu veröffentlichen.
Die Plattformen müssen ihre Dienste, einschließlich ihrer Schnittstellen, Empfehlungssysteme und allgemeinen Geschäftsbedingungen, neu gestalten, um diese Risiken zu mindern.

Sorgfältigere Moderation von Inhalten, weniger Desinformation:

Plattformen und Suchmaschinen müssen Maßnahmen ergreifen, um den Risiken im Zusammenhang mit der Verbreitung illegaler Inhalte im Internet und den negativen Auswirkungen auf die Meinungs- und Informationsfreiheit entgegenzuwirken.
Die Plattformen müssen über klare allgemeine Geschäftsbedingungen verfügen und sie sorgfältig und ohne Willkür durchsetzen.
Plattformen müssen über einen Mechanismus verfügen, über den Nutzer illegale Inhalte melden können, und müssen auf die Meldungen zügig reagieren.
Plattformen müssen ihre besonderen Risiken analysieren und Risikominderungsmaßnahmen ergreifen – beispielsweise um die Verbreitung von Desinformation und die unauthentische Nutzung ihres Dienstes zu bekämpfen.

Ein höheres Maß an Transparenz und Rechenschaftspflicht:

Die Plattformen müssen sicherstellen, dass ihre Risikobewertungen und die Einhaltung aller Verpflichtungen aus dem Gesetz über digitale Dienste einer unabhängigen externen Prüfung unterzogen werden.
Sie müssen Forschenden Zugang zu öffentlich verfügbaren Daten gewähren. Zu einem späteren Zeitpunkt wird ein spezieller Mechanismus für zugelassene Forschende eingerichtet.
Die Plattformen müssen Archive aller auf ihrer Schnittstelle dargestellten Werbeanzeigen veröffentlichen.
Die Plattformen müssen Transparenzberichte über Moderationsentscheidungen zu Inhalten und über das Risikomanagement veröffentlichen.

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