Apple steht beim Thema künstliche Intelligenz zunehmend unter Druck. Einerseits hat der Konzern mit Apple Intelligence und großen Siri-Verbesserungen hohe Erwartungen geweckt, andererseits hinkt die Umsetzung bislang hinterher. Laut dem renommierten Analysten Ming-Chi Kuo greift Apple deshalb kurzfristig auf eine Partnerschaft mit Google zurück – allerdings nur, um Zeit zu gewinnen.
In einem aktuellen Beitrag auf X erklärt Kuo, dass Apple zwar langfristig die volle Kontrolle über seine KI-Technologien behalten will, aktuell jedoch gezwungen ist, pragmatisch zu handeln. Der Deal mit Google sei daher keine strategische Kehrtwende, sondern vielmehr ein taktischer Zwischenschritt.
Warum Apple auf Google setzt
Kuo zufolge sieht sich Apple derzeit mit zwei akuten Problemen konfrontiert. Zum einen muss das Unternehmen auf der WWDC in diesem Jahr glaubwürdig demonstrieren, dass Apple Intelligence mehr ist als ein Versprechen. Schließlich wurden viele Funktionen bereits angekündigt, sind aber bis heute nicht verfügbar.
Zum anderen entwickelt sich Cloud-basierte KI extrem schnell. Dadurch haben sich die Erwartungen der Nutzer massiv verschoben. Selbst wenn Apple seine ursprünglich geplanten KI-Funktionen vollständig ausrollt, könnte das inzwischen nicht mehr ausreichen, um mit der Konkurrenz mitzuhalten.
Apple Intelligence allein reicht nicht mehr aus
Laut Kuo hat sich die Definition dessen, was als wettbewerbsfähige KI auf Systemebene gilt, deutlich verändert. Während frühe KI-Funktionen noch als Innovation galten, erwarten Nutzer heute leistungsfähige, kontextbezogene und ständig lernende Assistenten.
Genau hier liegt das Problem: Ohne Zugriff auf große, leistungsstarke KI-Modelle wird es für Apple zunehmend schwer, sich klar abzugrenzen. Deshalb greift der Konzern vorübergehend auf externe Modelle zurück, um die eigene Plattform konkurrenzfähig zu halten.
Kurzfristige Entlastung, langfristige Eigenständigkeit
Der KI-Deal mit Google soll laut Kuo vor allem kurzfristigen Druck abbauen. Zwar werde KI in den kommenden Monaten kaum zusätzliche Hardware-Verkäufe antreiben, dennoch verschaffe die Partnerschaft Apple wertvolle Zeit. Zeit, um Erwartungen zu managen, Funktionen nachzuliefern und gleichzeitig die eigene KI-Strategie weiterzuentwickeln.
Langfristig sieht Kuo künstliche Intelligenz jedoch als zentralen Faktor für die Differenzierung von Hardware, Betriebssystemen und Nutzererlebnis. Genau deshalb sei es für Apple entscheidend, die zugrunde liegenden KI-Technologien selbst zu besitzen und zu kontrollieren.
Eigene KI-Serverchips ab 2026
Passend dazu erwartet Kuo, dass Apple in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 mit der Serienproduktion eigener KI-optimierter Serverchips beginnt. Die dazugehörigen, von Apple betriebenen Rechenzentren sollen dann 2027 in Betrieb gehen.
Dieser Zeitplan deutet darauf hin, dass Apple ab 2027 mit einer deutlich steigenden Nachfrage nach geräteinterner und hybrider KI-Verarbeitung rechnet. Mit eigener Infrastruktur und eigenen Chips könnte Apple dann unabhängiger agieren – und KI tief in das gesamte Ökosystem integrieren.
Fazit
Apple setzt bei KI aktuell auf eine Übergangslösung mit Google, weil der Druck hoch und die Erwartungen noch höher sind. Langfristig bleibt das Ziel jedoch klar: volle Kontrolle über KI, Chips und Infrastruktur. Der Deal mit Google kauft Apple Zeit – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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