Finnland prüft derzeit ein gesetzliches Verbot sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Die Debatte knüpft an Erfahrungen aus dem Schulalltag an und orientiert sich an internationalen Vorbildern wie Australien.

In Deutschland wird parallel ein anderer Weg diskutiert, der weniger auf Verbote und stärker auf abgestufte Schutzmechanismen setzt.

Finnland schränkt Smartphones an Schulen ein

Ausgangspunkt der finnischen Diskussion sind Einschränkungen der Smartphone-Nutzung an Schulen, die seit dem vergangenen Sommer möglich sind. Viele Schulen haben Mobiltelefone während der Unterrichtszeit und in Pausen weitgehend ausgeschlossen. Beobachtungen aus dem Bildungsbereich deuten darauf hin, dass sich das Sozialverhalten verändert hat. Kinder bewegen sich mehr, verbringen Pausen gemeinsam und greifen seltener zu digitalen Angeboten.

Vor diesem Hintergrund unterstützt Ministerpräsident Petteri Orpo ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige. Als Referenz dient Australien. Dort gilt seit Dezember ein Nutzungsverbot sozialer Netzwerke für unter 16-Jährige. Plattformbetreiber sind verpflichtet, Altersgrenzen technisch durchzusetzen und haften bei Verstößen.

Der australische Premierminister Anthony Albanese begründete das Vorgehen mit dem Schutz von Kindern und der Entlastung von Familien bei der Durchsetzung von Regeln. In Finnland wird jedoch auch vor Umgehungseffekten gewarnt, etwa durch den Wechsel auf weniger bekannte und schlechter regulierte Dienste.

Deutscher Gegenentwurf mit Altersfreigaben

In Deutschland wird ein generelles Nutzungsverbot bislang abgelehnt. Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck spricht sich stattdessen für Altersfreigaben nach dem Vorbild der Filmwirtschaft aus. Bestimmte Funktionen und Inhalte sozialer Netzwerke könnten demnach erst mit zunehmendem Alter freigeschaltet werden. Ein Schwerpunkt liegt auf Empfehlungsalgorithmen, die auf möglichst lange Nutzung ausgelegt sind und aus seiner Sicht altersgerecht begrenzt werden sollten.

Hintergrund sind Daten der DAK-Gesundheit, wonach Jugendliche unter der Woche durchschnittlich mehrere Stunden täglich in sozialen Netzwerken verbringen und an Wochenenden noch mehr Zeit online sind. Entscheidend sei nicht allein die Nutzungsdauer, sondern welche Aktivitäten dadurch verdrängt würden. Wenn persönliche Kontakte, Bewegung oder schulische Leistungen in den Hintergrund gerieten, könne dies problematisch werden.

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