Sieben Wochen nach dem verpflichtenden Start der elektronischen Patientenakte fällt die Zwischenbilanz vieler Hausärzte ernüchternd aus. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, nutzen bislang nur wenige Versicherte ihre ePA aktiv. Nach Einschätzung des Hausärzteverbandes liegt das weniger an fehlendem Interesse als an hohen Zugangshürden.

Der Registrierungsprozess sei so komplex, dass selbst digital erfahrene Nutzer häufig abbrechen. Gleichzeitig wüssten viele Versicherte nicht einmal, dass für sie bereits eine elektronische Akte existiert.

Dabei ist die ePA für den Großteil der gesetzlich Versicherten automatisch angelegt worden. Nur ein kleiner Teil hatte der Einführung widersprochen. Arztpraxen und Kliniken sind verpflichtet, relevante Informationen wie Arztbriefe, Laborwerte oder Befunde einzustellen. Die Akte soll Doppeluntersuchungen vermeiden und Behandlungen transparenter machen.

Technische Hürden im Praxisalltag

Der Hausärzteverband kritisiert jedoch, dass der Nutzen im Praxisalltag begrenzt bleibe. Die Akte bestehe häufig aus unsortierten Dokumenten, die mühsam gesichtet werden müssten. Eine strukturierte Suche fehle. Hinzu kommen Störungen in der Telematikinfrastruktur, dem digitalen Netzwerk des Gesundheitswesens. Fällt diese Technik aus oder arbeitet instabil, können Daten nicht zuverlässig abgerufen werden. In den Praxen führt das zu zusätzlichem Zeitaufwand und Frust.

Die allerwenigsten Patientinnen und Patienten haben sich ihre ePA einmal angeschaut. Das liegt vor allem an dem absurd komplizierten Registrierungsprozess, der selbst digital affine Menschen irgendwann frustriert aufgeben lässt. – Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes

Auch Verbraucherschützer sehen Defizite. Aus ihrer Sicht fehlen Funktionen, die Patienten unmittelbar helfen würden, etwa digitale Impfausweise oder Bonushefte. Umfragen zeigen zudem, dass ein Großteil der Versicherten seine ePA nicht aktiv verwaltet oder sie bewusst meidet.

Und selbst Kliniken sind noch nicht vollständig angebunden. Wie die Morgenpost berichtet, werden Befunde teils weiterhin per Fax übermittelt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft verweist auf fehlende Software und überlastete IT-Abteilungen.

Immerhin ein Lichtblick: Positiv bewertet wird die automatische Übernahme von E-Rezepten in die ePA. Medikationslisten entstehen so ohne aktives Zutun der Versicherten, was zumindest einen begrenzten praktischen Nutzen schafft.

Der Beitrag „Absurd kompliziert“: Hausärzte kritisieren elektronische Patientenakte erschien zuerst auf iphone-ticker.de.

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