Der mittlerweile sechs Jahre andauernde Patentstreit zwischen dem Medizintechnikunternehmen Masimo und Apple hat eine neue Wendung genommen: Das US-Berufungsgericht für den Federal Circuit bestätigte am 19. März 2026 eine Entscheidung der International Trade Commission (ITC), wonach Apple Geschäftsgeheimnisse gestohlen und Patente für die Pulsoximetrie in der Apple Watch verletzt habe. Dies berichtet unter anderem AppleInsider. Doch trotz des formalen Sieges für Masimo wird es kein weiteres Verbot der umstrittenen Smartwatch geben: Die ITC erklärte nur einen Tag zuvor, dass Apples Software-Update die angeblichen Verstöße bereits behoben habe.

Die ITC begründet ihre aktuelle Position damit, dass Apples jüngste Anpassungen, die intern als „Redesign 2 Watch“ bezeichnet wurden, die beanstandeten Patentverletzungen ausräumen. Damit entfällt die Grundlage für ein Importverbot der Apple Watch in die USA, das 2023 vorübergehend drohte. Apple betonte in einer Stellungnahme gegenüber Medien wie AppleInsider, man sei mit dem Ergebnis zufrieden und werde weiterhin „branchenführende Gesundheitsfunktionen“ entwickeln. Masimo hingegen hatte seit 2020 in mehreren Klagen versucht, die Apple Watch vom Markt zu drängen – bisher allerdings weitgehend erfolglos.

Trotz des jüngsten Rückschlags vor der ITC konnte Masimo im November 2025 einen Etappensieg verbuchen: Ein Bundesgericht sprach dem Unternehmen 634 Millionen Dollar Schadensersatz zu. Apple kündigte umgehend Berufung an und warf Masimo vor, als reines Medizintechnikunternehmen keine Verbraucherprodukte anzubieten. Die jüngste Entscheidung des Berufungsgerichts ändert nichts an diesem Urteil. Die Patente, um die gestritten wird, laufen allerdings in weniger als drei Jahren aus: Dann könnte Apple die Blutsauerstoffmessung ohne rechtliche Bedenken wieder aktivieren.

Nach Import- und Verkaufsstopp: Ein Update rettete die Apple Watch

Der integrierte Blutsauerstoff-Sensor an der Unterseite der Apple Watch sorgte in den vergangenen Jahren für viel Streit.

Als die ITC 2023 ein Einfuhrverbot für die Apple Watch Series 6 und spätere Modelle empfahl, reagierte Apple proaktiv: Noch vor Inkrafttreten des Verbots stellte das Unternehmen den Import ein. Gleichzeitig entwickelte Apple ein Software-Update, das die umstrittene Blutsauerstofffunktion deaktivierte. Die US-Zollbehörde akzeptierte diese Lösung im Januar 2024 als ausreichend.

Seit 2020 wirft Masimo Apple vor, gezielt Patente für die Pulsoximetrie kopiert zu haben. Während Masimo die Entscheidungen als „bedeutende Siege“ feiert, bezeichnet Apple die Klagen als „falsch“ und „grundlos“. Die Fronten bleiben weiterhin verhärtet: Masimo pocht auf den Schutz geistigen Eigentums, Apple auf seine Innovationskraft. Beide Seiten zeigen sich entschlossen, den Rechtsstreit bis zum Ende zu führen, auch wenn die Patente bald auslaufen und die technische Grundlage des Streits obsolet wird.

Ein Sieg vor Gericht mit ungewissem Ausgang

Die Bestätigung des Berufungsgerichts mag zwar für Masimo ein juristischer Erfolg sein, doch praktisch ändert sich wenig. Apple hat die umstrittene Funktion bereits deaktiviert, und die ITC sieht keinen Handlungsbedarf mehr. Mit den auslaufenden Patenten könnte der Streit bald an Relevanz verlieren. Für beide Unternehmen bleibt der Fall jedoch ein Symbol: Für Masimo als David gegen den Tech-Giganten-Goliath, für Apple als Beispiel für die Herausforderungen, Innovationen in einem komplexen Patentumfeld durchzusetzen.

Am Ende könnten weder Masimo noch Apple als klare Gewinner aus dem Rechtsstreit hervorgehen. Während Masimo hohe Schadensersatzzahlungen erstritten hat, bleibt der Markt für Verbraucher und Verbraucherinnen unberührt. Apples Apple Watch bleibt auch in den USA weiterhin erhältlich, wenn auch mit eingeschränkten Funktionen.

Der Beitrag Masimo vs Apple: Medizintechnik-Firma behält Recht, Apple Watch wird weiter verkauft erschien zuerst auf appgefahren.de.

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