In der Vergangenheit habe ich bereits mehrfach Erfahrungen mit eScootern machen können: Seien es Elektroroller, die in Großstädten zum Ausleihen an vielen Stellen bereitstehen, oder auch vor einiger Zeit über einen Test des Egret Pro, einem Premium-Modell des deutschen Unternehmens Walberg Urban Electrics aus Hamburg. Nun hatte ich erneut die Möglichkeit, ein als „Offroad-eScooter“ bezeichnetes Exemplar ausprobieren zu können, nämlich den Isinwheel T8.
Zunächst zu den Fakten, die sich hinsichtlich der Angaben auf der Website und dem Infoschild direkt am Roller deutlich unterscheiden. Während der Hersteller von einem 1.200 Watt-Motor auf der Produktseite des T8 spricht, ist direkt am Roller nach dem Auspacken von einer 500 Watt-Leistung zu lesen. Auch Infos zum Akku unterscheiden sich: Schreibt der Hersteller von 42V/15Ah, steht auf dem eScooter selbst 48V/15Ah. Mit dem integrierten Akku, der sich binnen 4 bis 5 Stunden voll aufladen lässt, soll eine maximale Reichweite von bis zu 100 Kilometern erreicht werden, dazu aber später noch mehr.
Der 24,3 Kilogramm schwere eScooter verfügt über eine IPX7-Wasserdichtigkeit für den Akku sowie IP54 für den Roller selbst, kommt auf eine für Deutschland übliche Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h und kann laut Infoschild am Roller Personen mit einem Gewicht von bis zu 120 Kilogramm befördern – auf der Produktseite des Herstellers ist von 150 Kilogramm die Rede. Im Lieferumfang enthalten ist eine Straßenzulassung als Elektrokleinstfahrzeug, so dass man den Elektroroller nur noch mit einem amtlichen Kennzeichen von einer beliebigen Versicherung ausstatten muss. Ich konnte mir beispielsweise ein Jahreskennzeichen von einer Huk Coburg-Filiale in der Nähe meiner Wohnung für kleine 24 Euro/Jahr sichern und bin damit mit dem eScooter für ein ganzes Jahr auf der Straße haftpflichtversichert.
Zu den weiteren Features des eScooters, die auch die Offroad-Tauglichkeit ermöglichen sollen, gehört eine vordere und hintere Dämpfung an beiden Schwingarmen mit zwei zusätzlichen verstärkten Federn, 2,3 mm dicke, belüftete Bremsscheiben am Vorder- und Hinterrad, ebenso wie 10-Zoll Geländereifen mit einer dreischichtigen Struktur. Für den Fahrkomfort steht ein 4-Zoll Multifunktions-LED-Display mit einer Echtzeitanzeige wichtiger Fahrdaten wie Geschwindigkeit, Fahrmodus, Gesamt- und aktuelle Strecke, Licht-, Bluetooth- und Akkuanzeige sowie Hitzewarnungen.
Display, Scheinwerfer und Erstinstallation
Das ist alles im Lieferumfang enthalten.
Bedient wird der Scooter über ein kleines Panel, das seitlich am Lenker angebracht wurde und zum Ein- und Ausschalten, Auswahl des Fahrmodus (Fußgänger, Eco mit 10 km/h, Normal bis 15 km/h, Turbo bis zu 20 km/h) und zum Ein-/Ausschalten des Lichts dient. An der Unterseite des Panels gibt es einen kleinen Kippschalter, mit dem sich der Blinker betätigen lässt. Der Gashebel befindet sich ähnlich eines Gangschaltungs-Hebels unter dem rechten Lenkergriff. Für Sicherheit im Straßenverkehr sorgt ein 6 Watt-Scheinwerfer mit 20 Metern Reichweite, Bremslichter, sowie die bereits erwähnten integrierten Blinker vorne und hinten.
Hervorzuheben ist, dass der Isinwheel T8 bereits in großen Teilen vormontiert in einem großen Karton geliefert wird. Vor dem Start heißt es lediglich, den Lenker festzuschrauben, die nicht höhenverstellbare Lenkerstange zu arrettieren und auf der Hinterseite das Schutzblech samt Kennzeichenhalter anzubringen. Entsprechende Schrauben liefert der Hersteller mit. Besonders erfreulich: Im Lieferumfang meines Scooters befand sich auch noch ein Ersatzschlauch für die Reifen, ebenso wie ein Hardcase, das sich an der Lenkerstange befestigen lässt und eine kleine Reißverschlusstasche mit etwas Werkzeug enthielt.
Nach dem Zusammenbau habe ich den Akku mit Hilfe des mitgelieferten Netzteils – das nicht viel größer ist als das meines alten Windows-Laptops – erst einmal voll aufgeladen und dann den eScooter für eine kleine Testrunde ausgeführt. Was direkt auffällt: Wer den Elektroroller nicht am Start- und Zielort sicher unterstellen kann, muss sich ein entsprechendes Fahrradschloss zulegen.
Es gibt am Scooter selbst leider auch keine robuste Metallöse auf Trittbrett-Höhe, durch die man ein Schloss ziehen und diesen so für erweiterten Diebstahlschutz an einem Geländer, Fahrradständer oder ähnlichem befestigen kann. Ich habe mir daher ein relativ kompaktes Seilschloss für Fahrräder für den T8 gekauft und führe selbiges dann durch die Speichen des Vorderrads, um den Roller beispielsweise beim Einkaufen „anzubinden“. Diese Lösung ist aufgrund der Scheibenbremse in unmittelbarer Nähe zwar nicht optimal, aber für mich aktuell der beste Workaround. Zwar stellt der Hersteller eine App mit einer Lock-Funktion per Bluetooth für den T8 bereit (App Store-Link), allerdings würde der Roller trotzdem frei stehen und könnte gestohlen werden. Auch ein Lenkradschloss gibt es beim T8 leider nicht.
10 Zoll-Luftbereifung sorgt für angenehmes Fahrgefühl
Am Vorder- und Hinterrad gibt es Scheibenbremsen.
Das Fahrgefühl ist dann aber deutlich entschädigend für die Fummelei mit dem Fahrradschloss: Vor allem im Turbo-Modus verfügt der eScooter über eine tolle Beschleunigung und macht richtig Spaß. Dafür sorgt auch die leichte Federung sowie die deutlich dickeren, größeren Luftreifen, mit denen der Elektroroller ausgestattet ist. Unebenheiten oder kleinere Schlaglöcher auf der Straße machen dem T8 nicht sonderlich viel aus, und man selbst fühlt sich danach auch nicht, als bräuchte man gleich eine Bandscheiben-OP.
Auch das Trittbrett ist zwar durch die große Bereifung deutlich höher angelegt als bei klassischen Stadt- oder Leihrollern, ist aber rutschfest bezogen und so breit, dass man auch mit beiden Füßen nebeneinander stehen kann. Gerade bei etwas längeren Fahrten ist diese Körperhaltung sehr viel angenehmer, als mit hintereinander versetzten Füßen auf dem Roller zu stehen. Das 4 Zoll große Display wirkt nicht besonders stilvoll, zeigt dafür aber alle wichtigen Daten während der Fahrt an und ist auch bei Sonnenlicht noch ganz gut ablesbar.
Beworben wird der Isinwheel T8 explizit als Offroad-eScooter, mit dem sich auch satte Steigungen von rund 30 Prozent meistern lassen sollen. Da ich im platten Norddeutschland lebe, ergaben sich leider nicht viele Möglichkeiten, diese extreme Steigungsfähigkeit überhaupt testen zu können. Auf Waldwegen jedoch machte der Elektroroller einen guten und stabilen Eindruck. Bemerkt der Roller kleinere Anstiege, bei denen die aktuelle Geschwindigkeit absinkt, steuert er direkt gegen und legt mit einem kleinen Performance-Boost nach. Lange ausrollen ist mit den dicken Profilreifen des T8 allerdings nicht möglich: Hier kommt der Scooter durch die hohe Reibung schnell wieder zum Stehen.
Reichweite ist sehr optimistisch angegeben
Nicht hübsch, aber funktional: Das Display zeigt alle wichtigen Infos an.
A propos zum Stehen kommen: Ich habe den Isinwheel T8 die meiste Zeit über im Turbo-Modus gefahren, da mir die schnelle Beschleunigung und das gute Fahrgefühl am besten gefallen haben. Und nur im Turbo-Modus erreicht der eScooter die maximale Geschwindigkeit von 20 km/h. Dadurch bedingt konnte ich von der maximalen angegebenen Reichweite von bis zu 100 Kilometern aber auch nur träumen. Bei mir kam der eScooter grob auf eine Gesamtstrecke von 35 bis 40 Kilometern im Turbo-Modus, da ich nicht so lange gefahren bin, bis der Akku komplett leer war, sondern bei niedrigem Akkustand wieder aufgeladen habe. Im Eco- oder Standard-Fahrmodus dürfte die Reichweite daher etwas höher ausfallen. Ob allerdings die vollen 100 Kilometer Reichweite erreicht werden, bezweifle ich.
Wer den Isinwheel T8 selbst transportieren möchte, sollte sich daran erinnern, dass die robuste Bauweise des Scooters auf satte 24,3 Kilogramm kommt. Mal eben in Bus oder Bahn mitnehmen ist bei diesem Modell eher schlecht, zudem ist das Mitführen von Elektrorollern mittlerweile in vielen deutschen Öffis auch verboten. Der T8 bietet trotz der starren und nicht höhenverstellbaren Lenkerstange die Möglichkeit, den Roller zusammenzuklappen. Dafür muss allerdings auf Höhe des Frontlichts eine dicke Rädelschraube händisch gelöst und herausgenommen werden, um den Roller falten und so platzsparend transportieren zu können. Immerhin lässt sich das Gerät so nahezu problemlos in größere Kofferräume oder auf den Rücksitzen eines Autos verstauen.
Für wen eignet sich der T8?
Gesteuert wird der Isinwheel T8 über das kleine Panel im Vordergrund.
Aber an diesen Merkmalen sieht man: Der Isinwheel T8 möchte eigentlich kein portabler und kompakter Stadtroller sein, sondern sieht sein Terrain eher in der Natur oder außerhalb der großen Verkehrsstraßen. Das zeigt sich auch am eher mikrig-wackeligen Ständer des eScooters, der bei mir nach mehrmaliger Benutzung bereits bedrohlich instabil wirkt.
Geeignet ist der Isinwheel T8 daher vornehmlich für Personen, die einen Elektroroller nicht unbedingt zum Pendeln, sondern für Ausfahrten auf unterschiedlichen Straßen- und Wegverhältnissen nutzen wollen. Mit der großen Bereifung und ordentlicher Profiltiefe sowie einer leichten Federung fährt es sich deutlich bequemer als mit den null gefederten Stadtrollern, die oft auf Vollgummireifen setzen und bei Nässe schnell rutschig werden.
Unterschiedliche Leistungsangaben, Preise und Fazit
Das Infoschild am Roller zeigt andere Leistungsdaten an als die Website.
Irritiert haben mich zu guter Letzt die sehr unterschiedlichen Leistungsangaben auf der offiziellen Produktseite im Vergleich zu den Infos direkt am Roller selbst. Wer einen Offroad-eScooter mit dem Versprechen eines 1.200 Watt-Motors kauft und dann ein Modell mit lediglich 500 Watt vor sich stehen hat, dürfte nicht sonderlich begeistert sein. Auch die unterschiedlichen Angaben zum Akku und zur Tragfähigkeit sorgten bei mir für ein großes Stirnrunzeln. Der Hersteller bietet aber immerhin eine deutsche Kundenservice-Telefonnummer, ein 30-tägiges Rückgaberecht sowie eine zweijährige Garantie.
Erworben werden kann der Isinwheel T8 im Webshop des Unternehmens für aktuell 628,99 Euro. Der Originalpreis wird dort mit 958,99 Euro angegeben. Interessanterweise findet sich bei Amazon ein absolut baugleiches Modell, sogar mit gleicher Typenbezeichnung, zum ähnlichen Preis von 619,99 Euro. Es ist daher davon auszugehen, dass der in China hergestellte eScooter an verschiedene Unternehmen geliefert wird, die diesen dann in ihren Shops oder eben auch bei Amazon weiterverkaufen.
Mein Fazit zum Isinwheel T8 fällt grundsätzlich zufriedenstellend bis durchschnittlich aus. Während ich dem Fahrgefühl mit größeren Luftreifen und einem breiten Trittbrett viel abgewinnen konnte, sorgte der fehlende Diebstahlschutz, die umständliche Faltmechanik und auch die widersprüchlichen Aussagen auf der Händlerwebsite für Minuspunkte. Wer ein komfortables Fahrgefühl mit Offroad-Option schätzt, könnte mit dem T8 durchaus glücklich werden. Als kompakter Pendler-Roller eignet sich das Modell aufgrund seiner Größe, des Gewichts und des aufwändigen Faltmechanismus eher nicht.
E Scooter mit Straßenzulassung, 80-100 KM Reichweite, 48V 15Ah, 10 Zoll Offroad…
Der Beitrag Isinwheel T8: Offroad-eScooter mit Straßenzulassung ausprobiert erschien zuerst auf appgefahren.de.
