Bei Apple steht ein personeller Umbruch an, der allerdings nicht nur strategische, sondern auch emotionale Spuren hinterlässt. Denn mit Jay Blahnik verabschiedet sich ein langjähriger Top-Manager, der über mehr als ein Jahrzehnt hinweg zentrale Fitness-Initiativen des Konzerns geprägt hat – und gleichzeitig zuletzt massiv in die Kritik geraten ist.
Laut interner Mitteilung wird der 57-Jährige im Juli in den Ruhestand gehen. Offiziell möchte er sich künftig stärker seiner Familie widmen und zudem einen Umzug nach New York City vollziehen. Doch während diese Erklärung nach einem klassischen Karriereabschluss klingt, wird sein Abgang von Kontroversen überschattet.
Vom Nike-Berater zur Apple-Schlüsselfigur
Blahnik kam bereits 2013 zu Apple, nachdem er zuvor rund zwei Jahrzehnte als Berater bei Nike tätig war. Bei Apple entwickelte er sich schnell zu einer der prägenden Figuren im Fitnessbereich.
Besonders sichtbar wurde sein Einfluss mit der Einführung der Aktivitätsringe der Apple Watch. Diese drei farbigen Kreise, für Bewegung, Training und Stehen, gelten heute als eines der ikonischsten Features der Smartwatch und haben das Nutzerverhalten nachhaltig verändert. Einerseits motivieren sie Millionen Menschen weltweit zu mehr Bewegung, andererseits sind sie längst zu einem Markenzeichen geworden.
Darüber hinaus verantwortete Blahnik auch den Aufbau von Apple Fitness+, einem Abo-Dienst, der seit 2020 Trainingsvideos aus Bereichen wie HIIT, Yoga, Meditation oder Krafttraining bündelt.
Schwere Vorwürfe belasten Vermächtnis
So erfolgreich die Projekte unter seiner Leitung waren, so deutlich wurden zuletzt auch die internen Spannungen. Denn laut Berichten mehrerer aktueller und ehemaliger Mitarbeitender soll Blahnik ein problematisches Führungsverhalten gezeigt haben.
Insgesamt neun Personen beschrieben ihn demnach als verbal verletzend, manipulativ und in Teilen unangemessen im Umgang. Gleichzeitig soll ein auffällig hoher Anteil des Teams, mehr als zehn von rund 100 Beschäftigten, seit 2022 längere krankheits- oder mentalitätsbedingte Auszeiten genommen haben. Diese Zahlen werfen ein kritisches Licht auf die Arbeitskultur innerhalb des Bereichs.
Zusätzlich wurde ein Fall von sexueller Belästigung außergerichtlich beigelegt. Parallel dazu läuft eine weitere Klage der Mitarbeiterin Mandana Mofidi, die Blahnik Mobbing vorwirft. Der Prozess ist für das kommende Jahr angesetzt.
Apple reagierte auf die Vorwürfe mit einer internen Untersuchung, fand jedoch nach eigenen Angaben keine Belege für Fehlverhalten. Ein Unternehmenssprecher wies zudem Teile der Berichterstattung als unzutreffend zurück, ohne allerdings konkret zu benennen, welche Punkte bestritten werden.
Wie geht es mit Apple Fitness+ weiter?
Mit dem Abgang Blahniks stellt sich nun nicht nur die Frage nach seiner Nachfolge, sondern auch nach der strategischen Ausrichtung von Apple Fitness+. Denn laut aktuellen Berichten wird der Dienst intern überprüft.
Insbesondere Eddy Cue, der bei Apple für Services verantwortlich ist, soll Anpassungen in Erwägung ziehen. Ob es dabei um Inhalte, Preismodelle oder die generelle Positionierung geht, ist bislang allerdings unklar.
Fest steht jedoch: Fitness bleibt ein zentraler Bestandteil von Apples Ökosystem. Dennoch könnte die aktuelle Situation Anlass sein, bestehende Konzepte zu überdenken.
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