Der Beitrag Mini-Windrad für Zuhause: Warum die Erträge oft enttäuschen erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.
Ein Mini-Windrad klingt nach einer cleveren Ergänzung zur Solaranlage auf dem Dach. Doch Verbraucherschützer dämpfen die Erwartungen: In Wohngebieten bleibt der Stromertrag oft weit hinter dem zurück, was Hersteller versprechen. Wir zeigen, mit welchen Erträgen du realistisch rechnen kannst, wo die Grenzen liegen und für wen sich eine Kleinwindanlage trotzdem lohnen kann.
Immer mehr Menschen setzen angesichts der hohen Energiepreise und dem zunehmenden Klimabewusstsein auf grünen Strom und eine möglichst unabhängige Energieversorgung. Besonders die Solarenergie hat auf der Ebene privater Haushalte in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt.
Allen voran stehen dabei kompakte Balkonkraftwerke, die sich einfach installieren lassen und schnell Energie liefern. Auch kleine Windkraftanlagen rücken zunehmend in den Fokus, da die Windkraft als Ergänzung zur Solarenergie vor allem in sonnenarmen Zeiten gilt.
Doch der tatsächliche Nutzen von Mini-Windrädern für das eigene Zuhause ist umstritten. Die Verbraucherzentrale hat zusammengetragen, worauf Interessierte vor der Anschaffung achten sollten und gibt Hilfestellung zu Themen wie dem geeigneten Standort, realistische Ertragserwartungen, Kosten und rechtlichen Rahmenbedingungen.
Wie viel Strom liefert ein Mini-Windrad wirklich?
Während die Photovoltaik inzwischen als relativ ausgereifte Technologie gilt, stehen Kleinwindkraftanlagen für den Hausgebrauch vielerorts noch vor praktischen und wirtschaftlichen Hürden. Denn die Stromerträge hängen stark von den lokalen Windverhältnissen ab, die in dicht bebauten Wohngebieten oft unzureichend sind.
Im Gegensatz zu Solaranlagen, die selbst auf kleinen Flächen wie Balkonen zuverlässig Energie liefern können, bleibt die Effizienz von Mini-Windrädern daher in vielen Fällen begrenzt. Denn ihre Leistung hängt extrem stark von der Windgeschwindigkeit ab.
Da die Leistung einer Windkraftanlage nicht linear, sondern mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit steigt, entsteht eine starke Abhängigkeit vom jeweiligen Standort. Schon geringe Unterschiede im Windangebot können daher über hohe Erträge oder wirtschaftliche Enttäuschungen entscheiden. Verdoppelt sich der Wind beispielsweise, steigt der Ertrag auf das Achtfache. Halbiert sich der Wind hingegen, bleibt nur ein Achtel übrig.
Eine Beispielrechnung der Verbraucherzentrale zeigt, wie begrenzt der Ertrag kleiner Windräder oft ist. Eine Anlage mit einem Meter Rotordurchmesser kommt unter optimistischen Bedingungen auf rund 96 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Wird dieser Strom vollständig im eigenen Haushalt genutzt, entspricht das einem Wert von etwa 35 Euro.
Zwar könne sich der Ertrag bei doppeltem Durchmesser vervierfachen, dennoch bleibe der wirtschaftliche Nutzen laut der Verbraucherzentrale meist überschaubar. In der Praxis falle die Ausbeute je nach Standort und Anlagenqualität häufig sogar noch geringer aus.
Im Vergleich dazu würde eine Photovoltaik-Anlage mit vergleichbarer Fläche in den meisten Fällen ähnlich viel oder sogar mehr Strom erzeugen. Zusätzlich hätte dies den Vorteil, dass die Stromproduktion über das Jahr hinweg mit höherer Zuverlässigkeit stattfindet.
Anmeldung, Versicherung, Vergütung: Was du beachten musst
Für eine Entscheidung über die Eignung eines Standorts könne auch eine Windmessung herangezogen werden. Dies sei aber in den meisten Fällen nicht sinnvoll, da die Kosten hierfür im Verhältnis zum erwarteten Ertrag einer Anlage meist unwirtschaftlich sind.
Ähnlich wie Balkonkraftwerke müssen auch kleine Windkraftanlagen beim Stromnetzbetreiber und bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Es sollte außerdem geprüft werden, ob die Anlage in die Gebäude- und Haftpflichtversicherung aufgenommen werden kann, um mögliche Schäden abzusichern.
Die Vergütung für eingespeisten Windstrom aus einer Kleinwindanlage liegt zwischen etwa acht bis zwölf Cent pro Kilowattstunde. Ähnlich wie bei Balkonkraftwerken ist also auch bei Mini-Windrädern für Zuhause der Eigenverbrauch sinnvoller.
Allerdings müssen Interessierte bei der Lebensdauer – vor allem im Vergleich zu Photovoltaikmodulen – Abstriche machen. Denn während bei einer PV-Anlage die Lebensdauer heute bei 20 oder mehr Jahren liegt, sei diese für Windkraftanlagen unsicher und vermutlich deutlich niedriger.
Insgesamt legt das Fazit der Verbraucherzentrale nahe, dass Mini-Windräder für Wohngebäude eher ungeeignet sind. Bei idealen Standortbedingungen könnten sie aber in speziellen Bereichen wie auf Booten oder bei entlegenen Hütten sinnvoll sein.
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