YouTube gehört schon lange zu den größten Suchplattformen überhaupt. Weit über zwei Milliarden monatlich aktive User suchen und finden regelmäßig Videos – allein die Kurzvideos Shorts kommen inzwischen auf durchschnittlich 200 Milliarden Views am Tag. Im AI-Zeitalter aber verwandelt sich YouTube zusehends auch zu einer Plattform, die die KI-Suche Googles übernimmt. Bereits im vergangenen Jahr führte YouTube die von Google bekannten AI Overviews ein. Diese zeigen eine kurze KI-Zusammenfassung zur Anfrage und im Videokarussell passende Clip-Vorschläge. Jetzt folgt mit Ask YouTube eine Art Entsprechung des AI Mode auf Google – zumindest testweise. Im aktuellen Experiment können erste User Fragen stellen, umfassende Antworten erhalten und mit Follow-up-Fragen die Konversation weiterführen. Dabei wird auf passende Videoquellen verwiesen, was die Frage aufwirft: Müssen YouTube Creator mehr denn je an die GEO denken?

AI Overviews mit Twist:

YouTube bringt KI-generierte Suchergebnisse

© YouTube via Canva

Eine neue Sucherfahrung auf YouTube: Ask YouTube mit Longform Clips, Shorts und ausführlichem Text in Antworten

Am 27. April stellte YouTube auf der offiziellen Hilfeseite mit Details zu aktuellen Experimenten die neue Suchoption Ask YouTube vor. Diese soll die Art und Weise, wie Menschen bisher auf YouTube suchen, ergänzen. Dabei wird schnell deutlich, dass das Feature einer Übertragung des AI Mode auf die Videoplattform gleichkommt. Denn Ask YouTube soll eine Art Deep Dive bei Suchanfragen ermöglichen.

In der Search Bar können User den neuen Modus anwählen und dann, gestützt von Googles Gemini, umfassende Antworten zu spezifischen Anfragen erhalten. Wer zum Beispiel einen dreitägigen Roadtrip plant, erhält nicht nur passende Videos in einer Liste wie bisher – oder AI Overviews dazu –, sondern eine ausführliche Antwort in natürlichem Text samt Step-by-Step-Routenplan, die mit Hinweisen zu Longform-Videos sowie Shorts gespickt ist. In dieser Antwort werden auch lokale Tipps zu sehenswerten Orten und Geschäften auf der Route integriert. Genau wie beim AI Mode können die User in der Konversation mit Follow-up-Fragen noch mehr Details ermitteln. Das kann die Nachfrage nach guten Cafés auf dem Weg sein, nach Museen oder Badeplätzen. Zu den jeweiligen Nachfragen ergänzt YouTube dann Informationen, die durch Videos unterstützt werden. Die Suchergebnisseiten erinnern an kuratierte Themenseiten mit personalisierten Hinweisen.

Die Option Ask YouTube liefert umfassende Antworten mit Videohinweisen, © Google

Auch der Plattformbeobachter Zach Bussey weist via Threads auf den Test hin, der laut YouTube erstmal bis zum 8. Juni läuft.

Auf Threads ansehen

Teilnehmen können derzeit allerdings nur YouTube Premium-Abonnent:innen in den USA, die mindestens 18 Jahre alt sind. Sie müssen sich über die Website youtube.com/new per Opt-in für die Option anmelden. Ein Roll-out für User, die YouTube Premium nicht haben, ist aber schon geplant.

GEO relevanter als zuvor für YouTube Creator?

Wenn YouTube die Suchoption Ask YouTube langfristig für alle auf der Plattform integriert und sie neben die AI Overviews stellt, adaptiert die Videoplattform einige Kernelemente der Google-Suche. Das hat mehrere Vorteile für Google. So können ausführliche Suchen die Verweildauer der User verlängern, die zudem noch mehr passende Inhalte finden könnten, was wiederum die Zeit auf der Plattform erweitert. Das fördert letztlich die Werbeeinkünfte, die allein im vierten Quartal 2025 für 11,4 Milliarden US-Dollar Umsatz bei Alphabet sorgten. Und personalisierte Antworten wie im Ask YouTube-Modus ermöglichen schließlich personalisierte Werbeeinbettungen. Davon ist im Experiment noch nicht die Rede. Doch wenn YouTube sich an Googles AI Mode orientiert, wäre diese Werbeintegration eine logische Folge.

YouTube könnte mit der neuen Sucherfahrung ebenfalls dafür sorgen, dass User die Videoplattform noch eher als alternative Suchplattform zu Google einordnen, auf der sie unmittelbar in die Content Discovery übergehen können. Das mag gerade im Konkurrenzkampf mit TikTok helfen, da die Discovery-Plattform für viele User ebenso als Suchumgebung dient. Wenn sich aber die Suchmöglichkeiten auf YouTube mehr an der KI-Suche Googles orientieren, müssen Creator darauf hoffen, in den personalisierten Antworten mit ihren Inhalten auch aufzutauchen.

Wird die GEO also wichtiger denn je? Grundsätzlich wird YouTube die relevantesten Inhalte referenzieren, wozu sicherlich Videos zählen, die auf der Plattform ohnehin positiv aufgenommen wurden, was durch Views, Kommentare, Likes und dergleichen attestiert wird. Creator müssen sich womöglich keine explizite GEO-Strategie überlegen, sollten aber ohnehin auf die Sichtbarkeit im KI-Suchkontext hin optimieren. Immerhin werden YouTube-Videos auch zahlreich in KI-Suchumgebungen als Quellen referenziert. Deshalb ist es enorm wichtig, technische Aspekte zu pflegen. Der Titel, die Beschreibung, die Untertitel, passende Keywords und Tags, der Dateiname der Videos und passende Thumbnails sollten jeweils für Suchkontexte angepasst werden. Dabei kann es nicht schaden, im Hinterkopf zu haben, wie eine konversationelle Suchanfrage mit natürlicher Sprache aussehen könnte, die von Videos bedient werden kann.

Außerdem sollten Creator möglichst aktiv sein, um aktuelle Inhalte zu Anfragen bieten zu können und Teil der Diskussion zu sein; schließlich führt YouTube auch die DMs wieder ein, in Deutschland ebenso. Best Practices für ihre Videos finden Creator auf YouTubes dedizierter Seite zur Content-Strategie.

YouTube wird zur wichtigsten Social-Quelle in KI-Suche

© OpenAI

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