Der Beitrag Klicktatur: Trump regiert per Post – und manipuliert Meinungen und Märkte erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.
Donald Trump regiert die USA nicht nur aus dem Oval Office, sondern auch via Social Media. Über seine Plattform Truth Social flutet er täglich die Nachrichtenlage, bewegt Aktienkurse und setzt die Agenda für Medien weltweit. Der US-Politikwissenschaftler Donald Moynihan nennt das eine „Klicktatur“. Eine kommentierende Analyse.
KI als Grundlage für Trumps Strategie?
KI-Tools wie ChatGPT, Google Gemini oder naivere Kollegen wie Microsofts CoPilot befähigen Menschen dazu, Texte zu schreiben, die vorher keine zwei geraden Sätze nacheinander hätten schreiben können. Mit fehlerfreien Texten wird durch KI jeder zum Bürgerjournalisten – und das ganz ohne Ausbildung oder fachliche Kontrolle.
Die Folgen sind bereits messbar: Der Anteil von KI-Inhalten bei YouTube, Spotify und Co. nimmt immer weiter zu. Ende 2025 war fast jeder fünfte Treffer der Google-Suche schlicht und einfach KI-Müll. Die Informationsqualität im Netz sinkt – und damit das Fundament, auf dem sich Nutzer eine eigene Meinung bilden.
Rechtsradikale Populisten nutzen die neuen KI-Werkzeuge im höchsten Maß dazu, um soziale Medien durch Meinungsspam unter ihre Kontrolle zu bringen. Das ist das Ergebnis einer niederländischen Studie. Demnach bauen rechts- und linksradikale Populisten in sozialen Medien ein alternatives Medienökosystem auf, um ihre eigene Form der Wahrheit zu verbreiten.
Vom Brandstifter zum Kliktator
Der prominenteste Populist, der diese Strategie verfolgt, ist Donald Trump. In seiner ersten Amtszeit zwischen 2017 und 2021 hat Trump damit begonnen, den Medien seine Meinung aufzudrängen. Dafür nutzte er in erster Linie seine hervorragenden Verbindungen zu konservativen und regierungshörigen TV-Sendern wie „Fox News“, die im Prinzip zum persönlichen Haus- und Hofberichterstatter des US-Präsidenten geworden sind.
Schon damals verfolgte er eine einfache Strategie, die sein ehemaliger – und schnell geschasster – Kommunikationsberater Anthony Scaramucci auf den Punkt brachte. Donald Trump ist ein Brandstifter, der gerne Feuer legt. Sobald jedoch die Aktienkurse an der Börse lichterloh brennen, macht er einen Rückzieher seiner radikalen Ankündigungen und sorgt dafür, dass alles „im grünen Bereich“ läuft. Später hat sich das geflügelte Wort „TACO“ – Trump always chickens out – etabliert.
In seiner zweiten Amtszeit hat Donald Trump die USA endgültig von einer einst vorzeigbaren Demokratie in eine sogenannte „Klicktatur“ verwandelt. Über seine eigene Social-Media-Plattform Truth Social setzt er jeden Tag weit über zehn Meldungen ab – und bestimmt damit die Meldungen auf anderen Social-Media-Portalen wie „X“ oder Reddit und auch herkömmliche Nachrichtenkanäle wie die Tagesschau, die Süddeutsche Zeitung oder den Spiegel. Oder anders gesagt: Trump setzt Schlagzeilen – ob wahr oder unwahr, denn das spielt heutzutage keine Rolle mehr.
Stimmen
Der US-Politikwissenschaftler Donald Moynihan hat den Begriff „Klicktatur“ geprägt. Er spricht von einer Regierung, die Menschenmassen durch digitale Omnipräsenz in Bewegung versetzt: „Trump ist der beste Inhalte-Produzent aller bisherigen US-amerikanischen Präsidenten. Es mangelt nie an Inhalten. Aber nur, wenn es um die Menge geht. Die Vorstellung ist, dass er so Fakten verzerren und kontrollieren kann. Auch wenn das, was er sagt, Unsinn ist oder empörend: Er dominiert damit die Schlagzeilen.“
Das Werkzeug für diesen neuen Regierungsstil hat Steve Bannon, ehemaliger Wahlkampfmanager und anschließender Chefstratege von Donald Trump, in einem Interview 2018 beschrieben. Dabei geht es um Informationskriegsführung in Zeiten von sozialen Medien: „Die Demokraten spielen keine Rolle. Die wahre Opposition sind die Medien. Und der Weg, mit ihnen fertig zu werden, ist, die Zone mit Scheiße zu fluten.“ Genau das macht Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit.
Mit den sogenannten TACOs überführt Donald Trump seine Informationsflut in die Finanzwirtschaft. Der Begriff TACO wurde 2025 vom US-Journalisten Robert Armstrong in einem Artikel in der Financial Times verwendet: „Die jüngste Kursrallye hat viel damit zu tun, dass die Märkte erkennen, dass die US-Regierung keine besonders hohe Toleranz für Markt- und Wirtschaftsdruck besitzt und schnell einen Rückzieher macht, sobald Zölle Schmerzen verursachen. Das ist die TACO-Theorie: Trump kneift immer.“
Lässt sich die Klicktatur noch stoppen?
Dass Trump TACOs mag, obwohl er Mexikaner nicht leiden kann, zeigt die Geschichte. Alles begann 2019 mit den angedrohten Strafzöllen gegen Mexiko, die Milliarden an den Börsen vernichteten. Im April 2025 dasselbe Muster: Donald Trump verkündet im sogenannten „Rosengartenmassaker“ Strafzölle gegen die halbe Welt, nur um sie kurz vor dem Inkrafttreten einzukassieren. Im Irankrieg 2026 zeigt sich ein ähnliches Muster.
Trump betreibt mit seinen Social-Media-Posts also nicht nur politisches Agenda-Setting der nächsten Generation, sondern gefährdet durch seine Form der Marktmanipulation auch noch das angesparte Geld von Kleinanlegern, die versuchen, von den positiven Effekten der Aktienmärkte zu profitieren, indem sie in Index-ETFs wie den MSCI World investieren.
Wie lässt sich diese Form der Bürgerverarsche eindämmen? Im Jahr 2021 gab es erfolgsversprechende Versuche, als Facebook, Instagram und Twitter nach dem Sturm auf das US-Kapitol die Social-Media-Accounts von Donald Trump vorübergehend gesperrt hatten. Seine Lösung: eine eigene Social-Media-Plattform.
Die Regulierungsmöglichkeiten für den Gesetzgeber sind entsprechend limitiert – es sei denn, politische Inhalte auf sozialen Medien werden ganz verboten, was dann wiederum die Meinungsfreiheit massiv einschränkt. Und das wiederum wäre der nächste Sargnagel für die westlichen Demokratien, an denen Autokraten wie Donald Trump ohnehin schon sägen.
Auch interessant:
Signal-Skandal im Bundestag: Das Problem sitzt vor dem Bildschirm
ChatGPT-5.5 bedient eigenständig Software – aber nur, wenn du zahlst
TV-Beben: RTL schluckt Sky und verspricht mehr Bundesliga im Free-TV
Images 2.0: OpenAI treibt ChatGPT-Bildern klassischen KI-Look aus
Der Beitrag Klicktatur: Trump regiert per Post – und manipuliert Meinungen und Märkte erschien zuerst auf BASIC thinking. Folge uns auch auf Google News und Flipboard oder abonniere unseren Newsletter UPDATE.
