Der Beitrag Anthropic kauft Rechenpower von Elon Musk – und verrät seine Werte erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.
Anthropic hat eine Kooperation mit der Raumfahrtfirma SpaceX von Elon Musk geschlossen und sich Rechenkapazitäten des Supercomputers Colossus gesichert. Ziel des KI-Unternehmens ist es, die Nutzungslimits seines Chatbots Claude deutlich zu erhöhen. Der Deal ist aber überraschend wie seltsam. Denn: Vor wenigen Monaten hatte Musk Anthropic noch als menschenfeindlich bezeichnet, das nun wiederum seine Werte verrät. Eine kommentierende Analyse.
Anthropic: Das steckt hinter dem 5-Milliarden-Deal mit SpaceX
Einer Ankündigung von Anthropic zufolge hat sich das Unternehmen „die gesamte Rechenkapazität“ des KI-Rechenzentrums Colossus 1 von SpaceX gesichert. Die Rechenleistung soll bei 300 Megawatt pro Monat liegen, was dem monatlichen Verbrauch einer mittleren deutschen Großstadt entspricht. Colossus gilt als einer der schnellsten Supercomputer der Welt. Er wurde zum Training des KI-Chatbots Grok von Elon Musks Unternehmen xAI genutzt. Mittlerweile verwaltet Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX den Supercomputer. Mit Colossus 2 hat Anfang 2026 ein neueres Modell das Training von Grok übernommen.
Laut einem Bericht des Wall Street Journal (€) lässt Anthropic sich die neue Rechenkapazität rund fünf Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten. Sie soll Abonnenten der Pro- und der Max-Version des Chatbots Claude zugutekommen. Die bisherigen Tarifbegrenzungen von fünf Stunden sollen verdoppelt werden. Auch das KI-Modell Claude Opus soll durch den Deal deutlich besser werden. Das Tokenfenster wurde laut Anthropic ungefähr verzehnfacht. Sprich: Die maximale Menge an Text, die die KI für ihre Antworten berücksichtigen kann.
Anthropic erwägt, künftig auch SpaceX-Rechenzentren im Weltall für seine KI-Modelle zu nutzen. Zudem hat man Interesse an einer gemeinschaftlichen Entwicklung von orbitalen Rechenkapazitäten von mehreren Gigawatt bekundet. Der Hintergrund: Nachdem Elon Musk sein KI-Unternehmen xAI samt Grok im Februar 2025 unter ein Dach mit SpaceX brachte, erklärte er, die Sonnenenergie im All schon bald zum Betrieb von orbitalen Rechenzentren nutzen zu wollen.
Warum der Musk-Deal Anthropics Glaubwürdigkeit gefährdet
Die Partnerschaft von SpaceX und Anthropic ist durchaus überraschend, da deren beiden Chefs, Elon Musk und Dario Amodei, seit Anfang 2026 einen öffentlichen Clinch austrugen. Anthropic hat sich zudem als verantwortungsvoller Player inszeniert und Claude als Gegenentwurf zu ChatGPT und Grok positioniert.
Hinzu kommt, dass Anthropic einem direkten Konkurrenten in die Karten spielt. Klar: Das Unternehmen erhält Rechenpower, die es dringend für seine KI-Modelle benötigt. Aber man füllt auch die Kriegskasse von Elon Musk und seinem Firmenuniversum.
Rein technisch betrachtet gelingt Anthropic mit dem Deal mehr als nur ein KI-Update. Die Verzehnfachung des Kontextfensters von Claude ist nichts Geringeres als ein Befreiungsschlag. In den kommenden Jahren will das Unternehmen zudem knapp 100 Milliarden US-Dollar in weitere Deals mit Amazon, Google, Broadcom, Microsoft, Nvidia und Fluidstack stecken. Das ist eine deutliche Ansage an OpenAI.
Doch nachdem sich Anthropic zuletzt ein verantwortungsvolles Image aufgebaut hatte, verstrickt man sich nun in Widersprüche. Denn einerseits will das Unternehmen nur mit demokratischen Akteuren zusammenarbeiten. Andererseits bindet man sich mit Elon Musk nun an jemanden, dessen politische Ansichten als autoritär gelten. Damit verrät Anthropic schlichtweg seine eigenen Werte.
Stimmen und Reaktionen
Anthropic in einem Beitrag auf X (ehemals Twitter): „Wir haben eine Partnerschaft mit SpaceX vereinbart, durch die sich unsere Rechenkapazität erheblich erhöhen wird. Zusammen mit unseren anderen kürzlich abgeschlossenen Rechenkapazitätsverträgen bedeutet dies, dass wir die Nutzungslimits für Claude Code und die Claude-API erhöhen konnten.“
SpaceX-Chef Elon Musk schreibt ebenfalls auf seiner Plattform X: „Als Hintergrundinformation für alle, die es interessiert: Ich habe letzte Woche viel Zeit mit führenden Mitgliedern des Anthropic-Teams verbracht, um zu verstehen, was sie tun, um sicherzustellen, dass Claude der Menschheit nützt, und war beeindruckt. Alle, die ich getroffen habe, waren äußerst kompetent und legten großen Wert darauf, das Richtige zu tun. Bei niemandem schlug mein Böses-Detektor an. Solange sie sich einer kritischen Selbstprüfung unterziehen, wird Claude wahrscheinlich gut sein.“
KI-Unternehmer Satvik Paramkusham gibt zu bedenken: „Ein seltsamer Deal – SpaceX hat eine Vereinbarung mit Anthropic geschlossen! Vor drei Monaten bezeichnete Elon Musk Anthropic noch als menschenfeindlich. Heute übergibt er ihnen alle 220.000 GPUs von Colossus 1 – einem der weltweit größten KI-Supercomputer. Geschäfte gehen vor Streit. Jedes. Einzelne. Mal.“
Ereilt Anthropic das gleiche Schicksal wie OpenAI?
OpenAI hat viel Vertrauen verspielt, nachdem das Unternehmen eine Kooperation mit dem US-Militär bekannt gab. Anthropic, das sich zuvor bewusst von einem ähnlichen Deal distanziert hatte, konnte davon deutlich profitieren. Zahlreiche Nutzer wanderten etwa von ChatGPT zu Claude ab.
Doch während OpenAI immer noch an seinem Imageverlust knabbert, schlägt Anthropic durch die Kooperation mit SpaceX einen Weg ein, der dem Unternehmen ähnlich schaden könnte wie zuvor dem großen Konkurrenten. Denn mit Elon Musk holt man sich einen kontroversen Partner an Bord, der immer wieder durch rechtspopulistische Äußerungen, Wahlmanipulation und einem mangelnden Umgang mit Desinformation, Hassrede und sexistischen Inhalten auf seiner Plattform X in Erscheinung tritt.
Will heißen: Anthropic könnte ebenso ein erheblicher Imageverlust drohen. Der Hunger nach Rechenleistung scheint offenbar aber größer zu sein als eine moralische Distanz. Elon Musk verdient durch den Deal künftig derweil noch mehr Geld und gewinnt an Macht.
Das Problem: Solche Machtverschiebungen können einen erheblichen Einfluss auf den Alltag vieler Menschen haben. Musk hat das durch die Manipulation von Meinungen über X sowie die Nutzung seines Internetsatellitendienstes Starlink als Druckmittel gegenüber der Ukraine bereits mehrfach unter Beweis gestellt.
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