Amazon hat eine neue Version seines Kindle Scribe veröffentlicht, der in der Variante „Kindle Scribe Colorsoft“ auch mit Farbdisplay ausgeliefert wird. Der E-Reader mit Schreibfunktion erlaubt so das Anfertigen handschriftlicher Notizen und unter anderem das farbige Markieren von Textpassagen. Auch Skizzen lassen sich mit dem Gerät erstellen. Ich habe den Kindle Scribe Colorsoft für euch ausprobiert.
Amazon Kindle Scribe Colorsoft 32 GB (neueste Generation) – 11-Zoll-Farbdisplay mit…
Ich lese sehr gerne und hatte vor mehr als zehn Jahren auch eine Weile einen E-Reader im Einsatz. Allerdings bin ich nach kurzer Zeit doch zum herkömmlichen Buch zurückgekehrt, weil mir das Lesen so einfach mehr Freude bereitet und ich das Gelesene besser aufnehmen kann. Der Kindle Scribe Colorsoft hat mich aber vor allem wegen seiner Notizen-Funktion interessiert. Denn gerade beim Lesen von Fachbüchern, Papern oder Zeitschriftenartikeln setze ich nicht so sehr auf Papier und finde das digitale Markieren und Anmerken daher durchaus hilfreich. Da der Colorsoft es zudem erlaubt, die Notizen zu exportieren, gehen diese auch nicht zwangsläufig unter. Eine Win-Win-Situation, dachte ich mir.
Nun zu meinem ausführlichen Test. Der Kindle Scribe Colorsoft kommt in einem schicken Pappkarton, in dem neben dem Gerät selbst auch der Eingabestift, eine Kurzanleitung, ein USB-C-auf-USB-C-Ladekabel und fünf Wechselspitzen für den Stift enthalten sind. Der Kindle selbst ist gerade mal 400 Gramm schwer und liegt damit sehr leicht in der Hand. Die Dicke des Geräts beträgt 5,4 mm.
Das Display misst 11 Zoll in der Diagonalen. Das wiederum ist für das dauerhafte Halten in der Hand allerdings etwas groß. Das ist zumindest meine Meinung. Legt man den Colorsoft zum Lesen und Schreiben aber auf den Tisch ab, ist die Displaygröße genau richtig. Auch um das Gerät unterwegs mitzunehmen, sind Größe und Gewicht passend. Praktisch ist auch, dass der Eingabestift per Magnetismus am rechten Rand des Geräts aufbewahrt werden kann.
Das Display selbst wurde von Amazon noch einmal verbessert und ist nun auf Oxidbasis entwickelt worden. Das sorgt für papierähnliche Farben und fühlt sich beim Schreiben insgesamt sehr angenehm an. Allerdings würde ich nicht sagen, dass es dem Schreiben auf Papier gleicht. Praktisch ist aber, dass sich die Helligkeit des Displays händisch und auch automatisch anpassen lässt (wenn der richtige Haken gesetzt ist). So könnt ihr entweder ganz ohne Beleuchtung lesen und schreiben oder aber die Helligkeit erhöhen, wenn es nötig ist. Auch die Farbtemperatur lässt sich einstellen, was ein angenehmes Extra ist.
So viel erstmal zur generellen Haptik. Nun ein bisschen mehr zu Einrichtung und Handhabung. Wenn ihr den Kindle Scribe Colorsoft nutzen wollt, müsst ihr ihn zunächst einrichten. Und das geht nur, wenn ihr ein Amazon-Konto habt. Das ergibt natürlich für Amazon Sinn, damit ihr auch direkt im Kindle-Store eure E-Books kauft, ich finde es aber schade, dass das Gerät nicht auch ohne Account genutzt werden kann.
Den Kindle Scribe Colorsoft könnt ihr nur mit Amazon-Konto nutzen
Der Kindle Scribe Colorsoft im Ruhemodus – Der Stift ist sicher verwahrt.
Das Einrichten des Geräts ist dann allerdings recht einfach. Ihr benötigt aber am besten die Kindle-App auf eurem iPhone. Über diese lässt sich der neue Kindle dann hinzufügen. Danach kann es im Prinzip auch schon losgehen. Ihr könnt Notizen und Notizbücher anlegen, Bücher importieren oder aus dem Store laden und los lesen. Ich persönlich musste mich hier etwas an die Benutzeroberfläche von Amazon gewöhnen, da sie meiner Meinung nach nicht so intuitiv ist, wie sie sein könnte.
Nun etwas mehr zu den einzelnen Funktionen. Im Menüpunkt „Arbeitsbereich“ könnt ihr in wenigen Schritten eigene Projekte, Notizbücher und auch Schnellnotizen anlegen. Dabei könnt ihr auf eine recht umfangreiche Optik des Papiers zurückgreifen, etwa schmal liniert, Legal Pad, kariert und einiges mehr. Das finde ich sehr gelungen. Auch einen Namen könnt ihr dem Notizbuch geben. Zudem sind KI-Tools an Board, mit denen ihr eure Notizen zum Beispiel durchsuchen oder zusammenfassen lassen könnt. Nicht zuletzt könnt ihr auch Word-und PDF-Dokumente mit dem Colorsoft bearbeiten und auch Dateien in Google Drive und Microsoft OneDrive importieren und aus diesen exportieren.
Diverse Einstellungsmöglichkeiten beim Schreiben
Der Kindle Scribe Colorsoft bietet diverse Auswahlmöglichkeiten mit Blick auf das Papieroptik.
Beim Schreiben selbst habt ihr die Auswahl zwischen diversen Stifttypen, etwa Füller, Stift, Bleistift oder Marker. Ebenso könnt ihr die Stiftdicke und dessen Farbe variieren. Auch das finde ich sehr gelungen. Auch praktisch ist, dass der Stift weder aufgeladen werden muss noch eine Batterie benötigt. Ihr könnt einfach drauflos schreiben.
Der untere Stiftteil fungiert zudem als Radierer, sodass ihr Fehler direkt korrigieren könnt. Zudem könnt ihr mit dem Lasso Textpassagen auswählen, verschieben und kopieren und an anderer Stelle wieder einfügen. Hier bietet der Kindle Scribe Colorsoft also wirklich eine ganze Palette an Funktionen an, die auch alle flüssig laufen. Was ebenfalls funktioniert, wenn auch nicht immer fehlerfrei, ist das Exportieren der Notizen als PDF oder in Text umgewandelt. Beim Umwandeln in Text hat Amazon es in meinen Versuchen bislang zwar schon recht gut, aber nie fehlerfrei hingekriegt, meine Handschrift in Text umzuwandeln. Das mag an meiner Handschrift liegen, aber ich wäre an weiteren Erfahrungsberichten interessiert.
Zum Schreibgefühl kann ich sagen, dass sich das Schreiben auf dem Kindle Scribe Colorsoft etwas angenehmer anfühlt als auf dem iPad. Allerdings würde ich, wie gesagt, nicht so weit gehen, den Papiervergleich anzustellen. Auch muss man relativ groß schreiben, um entzifferbaren Text zu erzeugen. Das finde ich ebenfalls weniger gelungen.
Auch die Einstellungsmöglichkeiten für den Stift sind umfangreich.
Nun noch ein bisschen was zum Lesen auf dem neuen Colorsoft. Amazon hat den Kindle Scribe mit einem neuen Quad-Core-Chip und mehr Arbeitsspeicher ausgestattet. So soll das Gerät zum Beispiel 40 Prozent schneller beim Umblättern sein, als der Vorgänger. Hierzu habe ich allerdings keinen Vergleich. Ich kann sagen, dass das Gerät für einen E-Reader insgesamt schnell reagiert. Wenn man aber die Arbeit am Tablet gewöhnt ist, wird man sich ein klein wenig umstellen müssen. Praktisch ist allerdings die Fortschrittsanzeige und die Möglichkeit, die Schriftgröße des Textes anzupassen.
Dann wäre da noch der Preis
Die Sache, die mich beim Testen allerdings etwas schockiert hat, ist der Preis des Kindle Scribe Colorsoft. Das Gerät schlägt nämlich in der günstigsten Ausführung (32 GB Arbeitsspeicher) direkt mit 649,99 Euro zu Buche. Die Variante mit 64 GB kostet 699,99 Euro. Wählen könnt ihr noch zwischen den Farben Graphite und Feige (ein Rot-Ton). Preislich ist der Scribe Colorsoft somit deutlich teurer als ein herkömmliches iPad und sogar als ein iPad Air. Zwar verfügen die iPads nicht über ein so augenfreundliches Display wie der Kindle Scribe Colorsoft, dafür aber über diverse weitere Nutzungsmöglichkeiten und viel mehr Arbeitsspeicher. Obwohl der Kindle Scribe Colorsoft ein gutes Produkt ist, würde ich ihn mir für den Preis persönlich nicht zulegen, sondern stattdessen in ein iPad investieren.
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