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Ein Neuwagen kostet heute im Schnitt 34 Prozent mehr als noch 2018. Die Löhne sind im selben Zeitraum aber nur um 24 Prozent gestiegen. Trotzdem greifen viele Käufer vermehrt zu teureren SUV-Modellen, während günstige Einstiegsfahrzeuge vom Markt verschwinden. Selbst der Gebrauchtwagenmarkt bietet kaum noch Entlastung. Was das für die Mobilität der Mittelschicht bedeutet und welche Auswege Experten sehen.
Viele Verbraucher klagen über die kontinuierlich steigenden Kosten für die eigene Mobilität. Gleichzeitig dokumentiert eine aktuelle Marktuntersuchung von JATO Dynamics ein deutliches Paradoxon auf dem Automarkt. Der Anteil von SUV im privaten Automarkt ist über die vergangenen Jahre insgesamt deutlich gestiegen, wenngleich es bei Kompakt-SUV im Jahr 2020 einen leichten Rückgang gab.
Sprich: Viele Konsumenten greifen trotz gestiegener Preise vermehrt zu Modellen aus höheren Preisklassen. Denn in fast allen gängigen Fahrzeugklassen im europäischen Raum lässt sich eine Preissteigerung erkennen.
Die durchschnittlichen Endkundenpreise kletterten zwischen 2018 und 2024 im gesamten Kleinwagen-Segment um rund 34 Prozent und im Kompakt-SUV-Segment um 36 Prozent. Diese parallele Preisentwicklung über die Segmente hinweg legt nahe, dass ein branchenweiter Kostendruck und Maßnahmen zur Profitsicherung die Steigerungen angetrieben haben.
Autos werden immer teuere: Die wirtschaftliche Schere trifft die Mittelschicht
Die Entwicklung entkoppelt sich zunehmend von den realen Einkommen der breiten Bevölkerung. Die Strategieberatung Oliver Wyman belegt, dass die Nettogehälter in Deutschland von 2019 bis 2024 zwar um 24 Prozent anstiegen. Im selben Zeitraum verringerte sich die Bezahlbarkeit von Neuwagen jedoch um elf Prozent. Als Hauptursachen gelten das schwindende Angebot an günstigen Einstiegsmodellen sowie der beschleunigte Wechsel zu kostenintensiven Antrieben.
Der wirtschaftliche Druck auf die Automobilhersteller dürfte sich durch das schrumpfende Kundensegment künftig weiter verschärfen. Viele Käufer weichen mangels bezahlbarer Alternativen auf Finanzierungsangebote oder den Gebrauchtwagenmarkt aus. Steffen Rilling von Oliver Wyman forderte daher umgehend strategische Maßnahmen:
Die zunehmende Erschwinglichkeitskrise in der Automobilindustrie erfordert sofortige und strategische Maßnahmen von OEMs und Händlern. Durch die Überarbeitung ihrer Produktportfolios, Angebotsstrukturen, Preisstrategien und Finanzierungsmodelle können Hersteller die Herausforderungen, die durch steigende Preise und sinkende Verkaufszahlen entstehen, effektiv angehen.
Warum auch Gebrauchtwagen keine günstige Alternative mehr sind
Der Ausweichkanal über den Gebrauchtwagenmarkt entlastet die privaten Verbraucher momentan kaum. Denn: Ein spürbarer Mangel an jungen Gebrauchten traf im Jahr 2022 auf eine anhaltend hohe Nachfrage. Laut dem DAT-Report kletterten die durchschnittlichen Gebrauchtwagenpreise im Vorjahresvergleich deshalb deutlich um 19 Prozent.
Auf dem privaten Markt verzeichneten die Experten sogar eine Preissteigerung von 40 Prozent. Für weite Teile der Bevölkerung könnte die individuelle Mobilität dauerhaft zu einer sozialen Frage werden. Im Jahr 2022 wechselten weniger als ein Viertel aller Gebrauchtwagen für unter 10.000 Euro den Besitzer.
Erstkäufer müssen erhebliche Summen investieren, um überhaupt ein fahrbereites Einstiegsmodell zu erhalten. Zusätzliche Belastungen durch deutlich steigende Kfz-Versicherungen dürften diese finanzielle Barriere weiter vergrößern.
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