Seit der IPO-Ankündigung von Anthropic scheint OpenAI keine Zeit verlieren zu wollen. Erst zog das Unternehmen hinter ChatGPT mit einer eigenen vertraulichen Börseneinreichung nach, nun prüft es offenbar deutliche Preissenkungen für die kostenpflichtigen KI-Angebote. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen.

Dem Bericht zufolge erwägt OpenAI insbesondere niedrigere Token-Preise. Tokens bilden die Grundlage für die nutzungsabhängige Abrechnung vieler KI-Modelle und APIs. Damit zeichnet sich eine neue Phase des Wettbewerbs zwischen zwei der wertvollsten KI-Unternehmen der Welt ab – mit potenziellen Folgen für die gesamte Branche.

OpenAI bestätigt IPO-Einreichung:
Bald mehr wert als Anthropic?

Das neue OpenAI Branding vor Fotografie, © OpenAI

Der Preis für KI rückt in den Fokus

Da sich die möglichen Preissenkungen laut Wall Street Journal auf Tokens beziehen, dürften vor allem Entwickler:innen und Unternehmen profitieren, die KI-Modelle über APIs nutzen. Für sie zählen die laufenden Nutzungskosten zu den wichtigsten Faktoren bei der Wahl eines Dienstes, da nicht mit festen Monatsgebühren, sondern nach tatsächlicher Nutzung abgerechnet wird. Entsprechend wächst der Druck auf OpenAI, Anthropic und Co., ihre Angebote wirtschaftlicher und attraktiver zu machen.

Aktuell berechnet OpenAI für GPT-5.5 fünf US-Dollar pro einer Million eingegebener Tokens und 30 US-Dollar pro einer Million ausgegebener Tokens. Anthropic verlangt für das Flaggschiffmodell Claude Opus 4.8 fünf beziehungsweise 25 US-Dollar, während Claude Sonnet 4.6 bereits für drei beziehungsweise 15 US-Dollar pro Million Tokens verfügbar ist.

Doch wie sieht das Rennen bei den Nutzer:innen aus? Die aktuellen Zahlen zeigen, dass OpenAI derzeit vorne liegt. Erst im Mai überschritt die ChatGPT App laut Sensor Tower die Marke von einer Milliarde monatlich aktiven Nutzer:innen und erreichte diese Marke zudem schneller als jede andere Consumer App zuvor. Die Claude App von Anthropic kommt laut Sensor-Tower-Daten auf 56 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen, während Google für Gemini 750 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen angab.

ChatGPT erreicht 1 Milliarde App User schneller als TikTok und YouTube

© Zulfugar Karimov – Unsplash

Die Chancen und Risiken sinkender KI-Preise

Noch handelt es sich lediglich um Überlegungen. Sollte OpenAI die Preise senken, könnte nach dem Wettlauf um die besten Modelle nun der Kampf um die günstigste KI beginnen. Für Unternehmen und Entwickler:innen könnten niedrigere Preise die Wirtschaftlichkeit vieler KI-Anwendungen verbessern. Sinkende Token-Kosten würden leistungsfähige Modelle für zusätzliche Anwendungsfälle attraktiv machen und den Einsatz von KI weiter beschleunigen.

Allerdings könnte ein Preisabfall bei KI-Angeboten auch negative ökologische Folgen haben. Je günstiger die Nutzung wird, desto stärker dürfte die Nachfrage steigen – und damit auch der Energie- und Ressourcenbedarf der dafür nötigen Rechenzentren. Bereits im April 2025 prognostizierte die Internationale Energieagentur (IEA), dass sich deren Stromverbrauch bis 2030 mehr als verdoppeln könnte. Demnach könnten Rechenzentren bis 2030 rund 945 Terawattstunden Strom verbrauchen – etwa so viel wie ganz Japan. KI gilt als einer der wichtigsten Treiber dieser Entwicklung.

OpenAI überarbeitet auch den Model Picker von ChatGPT

Wie OpenAIs Product Lead Adam Fry auf X ankündigt, überarbeitet das Unternehmen den Model Picker in ChatGPT. Die Modellauswahl soll dadurch übersichtlicher werden und Nutzer:innen helfen, schneller das passende Modell für ihre jeweilige Aufgabe zu finden.

We’re making a small update to the model picker in ChatGPT! We know it’s critical to a lot of people’s work, and that we have a lot of paying users who care deeply about this one, so wanted to take some time to detail out the tweak.

One important point upfront – you’ll still… pic.twitter.com/gtVc1pySAm

— Adam Fry (@adamhfry) June 10, 2026

Künftig können Nutzer:innen im Model Picker zwischen den Stufen Instant, Medium, High und Extra High wählen. Für Pro-Nutzer:innen kommen zusätzliche Pro-Optionen hinzu. Gleichzeitig streicht OpenAI die Stufe Thinking-Light, die laut Fry von weniger als einem Prozent der zahlenden Nutzer:innen genutzt wurde. Beliebte Optionen wie Thinking-Heavy sowie die verschiedenen Pro-Modi bleiben jedoch weiterhin direkt erreichbar. Das Update wird ab sofort schrittweise ausgerollt.

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