Bislang kannte man Soundcore, die Audio-Tochter von Anker, vor allem als günstige Alternative im Einstiegssegment. Diese Einordnung dürfte sich mit den Liberty 5 Pro und Liberty 5 Pro Max erledigt haben, denn der Hersteller positioniert sich damit erstmals bewusst auf Augenhöhe mit Schwergewichten wie Apple, Sony und Bose. Grundlage dafür ist ein komplett neu entwickelter Thus-Chip, der gegenüber älteren Soundcore-Generationen einen deutlichen Leistungssprung markiert. Besonders auffällig zeigt sich das bei Telefonaten, wo die Geräuschunterdrückung zu den besten gehört, die mir in der Praxis je untergekommen sind.
soundcore Anker Liberty 5 Pro, Guinness World Record Anrufqualität 10 Mikros, Noise…
Identische Technik, unterschiedliches Etui
Auch preislich verlässt Soundcore vertrautes Terrain: Bisher war bei 130 Euro für die Liberty 4 Pro Schluss, nun klettern der Liberty 5 Pro auf 179,99 Euro, während der Liberty 5 Pro Max mit 249,99 Euro sogar ins Preissegment der AirPods Pro 3 vorstößt. Wer dahinter zwei grundverschiedene Geräte vermutet, irrt allerdings: Beide Modelle teilen sich denselben Chip, identische 9,2-mm-Treiber, gleiches Mikrofon-Array, identische Geräuschunterdrückung, dasselbe Klangbild, gleiche Akkulaufzeit und IP55-Zertifizierung. Wirklich unterschiedlich ist lediglich das Ladecase.
Die Soundcore Liberty 5 Pro Max bieten ein Ladecase mit KI-Aufnahme-Funktion.
Bei den Soundcore Liberty 5 Pro sitzt vorne ein 0,96 Zoll großer TFT-Screen, über den sich ANC-Modi, Klangprofile, der „Speak-to-Chat“-Modus und Dolby Head Tracking direkt steuern lassen – wobei dieselben Optionen auch komfortabel per Soundcore-App zugänglich sind. Das Case der Liberty 5 Pro Max bietet hingegen einen größeren 1,78-Zoll-AMOLED-Bildschirm auf einem aufschiebbaren Deckel, der zusätzlich Helligkeitsanpassung, individuelle Hintergrundbilder sowie das wahre Alleinstellungsmerkmal bietet: ein eingebautes Mikrofon mit angeschlossener KI-Notizfunktion.
Das Case als Diktiergerät
Ladecase fungiert als Diktiergerät.
Wer beruflich oder im Studium häufig Meetings und Vorträge dokumentieren muss, dürfte hier hellhörig werden. Aufnahmen lassen sich direkt im Etui ablegen, das stolze 350 MB Speicherkapazität mitbringt, und später bequem aufs Smartphone übertragen. Die Soundcore-App verarbeitet die Aufnahme dann zu Transkript und Zusammenfassung, wobei selbst die Trennung einzelner Sprecher im Test verblüffend präzise gelang. Exportieren lässt sich alles wahlweise als MP3-Datei, im TXT- oder Markdown-Format, als DOCX oder PDF. Diese Funktion bleibt neben dem größeren Display der einzige substanzielle Unterschied zwischen beiden Modellen.
Guter Sitz und anpassbarer Klang
Die Soundcore Liberty 5 Pro sitzen bequem im Ohr.
Die nach unten schmaler werdende Form der Liberty 5 Pro verbessert sowohl Sitz als auch Griffigkeit. Selbst bei ruckartigen Bewegungen blieb stets ein sicheres Gefühl erhalten. Natürlich liefert Soundcore verschieden große Silikonaufsätze mit, sodass ein perfekt Sitz individuell möglich ist.
Die Soundcore-App bietet viele Einstellungen und Support für KI-Aufnahmen.
Klanglich gibt sich die Werkseinstellung zunächst recht bassbetont, was Stimmen leicht verwaschen klingen lässt und der Höhenwiedergabe etwas Glanz nimmt. Genau hier zahlt sich die Personalisierungsoption aus: Sieben vorgefertigte Klangprofile stehen zur Wahl, ergänzt durch einen 8-Band-Equalizer für Feinjustierungen. Nach entsprechender Anpassung öffnete sich der Klang merklich. Gitarren und Klavier gewinnen an Präsenz. Verglichen mit den AirPods Pro 3 blieb das eigene Profil zwar weiterhin etwas bassbetonter, der Hörgenuss litt darunter aber nicht. LDAC-Unterstützung sorgt zusätzlich für hochauflösende Wiedergabe, sofern das Zuspielgerät dies unterstützt.
Darüber hinaus profitieren die neuen Kopfhörer vom eigenen Thus-Chip, der auch die Akkulaufzeit optimiert. Laut Anker halten die Liberty 5 Pro mit ANC rund 6,5 Stunden durch. Die gesamte Laufzeit beziffert sich inklusive Case auf 28 Stunden. Meine eigenen Tests zeigen: Die Werte habe ich nicht ganz erreicht, aber insgesamt ist das eine gute Akkulaufzeit.
Wo die Ohrhörer wirklich brillieren
Bei der aktiven Geräuschunterdrückung spielen die Liberty 5 Pro in derselben Liga wie die AirPods Pro 3. Kleine Abstriche gibt es lediglich im Mittenbereich, wo etwas mehr Umgebungslärm durchdringt, praktisch jedoch kaum wahrnehmbar bleibt. Tiefe, brummende Geräusche filtert die Technik zuverlässig heraus, was sich besonders auf längeren Flugreisen bezahlt machen dürfte.
Ladecase zeigt Akku-Status an und erlaubt Einstellungen per Touch.
Der wahre Trumpf zeigt sich jedoch beim Telefonieren selbst. Eine derart konsequente Ausblendung von Umgebungsgeräuschen während eines Anrufs habe ich bei keinem anderen Ohrhörer-Modell erlebt. Wenn die Kinder spielend durch das Wohnzimmer laufen, bekommt der Gesprächspartner davon nichts mit. Die Baustelle vor der Tür wird ebenfalls ausgeblendet und die Sprachqualität ist für kabellose Kopfhörer wirklich grandios. Im direkten Vergleich klingen die AirPods Pro 3 dumpfer und stärker komprimiert, sodass Telefonate mit den Soundcore Liberty 5 Pro besser klingen.
Sogar eine aufgedrehte Musikbox kann die Liberty 5 Pro nur leicht ins Schwitzen bringen. Wo andere Kopfhörer versagen, filtern die Soundcore-Kopfhörer die Lautstärke und Musik, sodass eine Unterhaltung am Telefon weiter möglich ist. Das macht sich wohl nur auf einem Konzert oder Festival bezahlt, denn Zuhause ist solch ein Szenario eher selten.
Sprachbefehle mit Optimierungsbedarf
Ergänzt wird das Paket durch eine Sprachsteuerung, die zwar zügig reagiert, in geselligen oder lauten Umgebungen aber gelegentlich an ihre Grenzen stößt. Bemerkenswert: Ein klassisches Aktivierungswort entfällt komplett, stattdessen erkennt das System direkt elf unterschiedliche Befehle wie „Musik abspielen“, „Lautstärke erhöhen“ oder „Transparenzmodus“. In lebhaften Gesprächsrunden kann das auch mal zu unbeabsichtigten Auslösungen führen. Optional gibt es die Möglichkeit die Sprachbefehle immer über „Hey Anka“ auszuführen.
Welches Modell lohnt sich?
Schon allein die herausragende Sprachqualität macht die Soundcore Liberty 5 Pro als auch die Liberty 5 Pro Max zu einem bemerkenswerten Fortschritt. Wer seine Ohrhörer überwiegend zum Telefonieren einsetzt, findet hier kaum eine bessere Alternative. Die KI-gestützte Aufnahme- und Transkriptionsfunktion der Pro Max ist zweifellos praktisch, rechtfertigt die 70 Euro Aufpreis aber nur bei regelmäßigem Bedarf. Schließlich bieten beide Varianten identische Geräuschunterdrückung, Klangqualität und Gesprächsleistung. Auch wenn 180 Euro für Soundcore-Maßstäbe ungewohnt viel sind: Wer sich nicht zwingend an Apple, Google oder Samsung binden möchte, bekommt hier ein wirklich überzeugendes Upgrade.
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soundcore Anker Liberty 5 Pro Max In-Ear-Kopfhörer Bluetooth
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