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In Europa sollen 25.000 neue Windräder entstehen. Doch jede Turbine gefährdet zahlreiche Zugvögel pro Jahr. Eine neue Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL zeigt jetzt, wie bestehende Wetterradare das Problem lösen könnten. Durch gezielte Abschaltungen ließen sich bis zu 90 Prozent der Kollisionen vermeiden, bei minimalem Energieverlust. 

In Europa sollen in den nächsten Jahren rund 25.000 neue Windturbinen gebaut werden, um die Emissionsziele zu erreichen. Dadurch könnte die Gefährdung von Zugvögeln, deren Bestände weltweit bereits stark zurückgehen, weiter zunehmen. Doch bisher fehlen für Europa Schätzungen über betroffene Vögel während ihrer nächtlichen Wanderungen.

Am Gotthardpass in der Schweiz schalten sich die Turbinen trotzdem bereits ab, wenn ein lokaler Vogelradar viele Tiere registriert. Für den geplanten Ausbau der Windkraft in Europa wären jedoch automatisierte und skalierbare Überwachungsmethoden erforderlich, die großräumiger funktionieren.

Können Wetterradar-Daten Vögel vor Kollisionen mit Windrädern schützen?

Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Bauer von der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) untersucht deshalb, wie sich Wetterradar-Daten nutzen lassen, um Kollisionen von Vögeln mit Windrädern zu verhindern.

Die untersuchten Radarsysteme messen normalerweise die Niederschlagsintensität und die Wolkenintensität in der Atmosphäre. Sie erfassen aber auch die Bewegungen von Vogelschwärmen und decken dabei deutlich größere Flächen ab als spezialisierte Vogelradare. Die Forscher nutzten diese Wetterdaten als Grundlage für ihre Berechnungen zum Vogelschutz.

Die entsprechenden Daten der Wetterradare liegen etwa alle 15 Minuten in einer hohen räumlichen und zeitlichen Auflösung vor. Durch die Erfassung lassen sich den Forschern zufolge die Flugbewegungen von großen Schwärmen in Echtzeit nachvollziehen, um das Risiko für Kollisionen mit Windrädern abzuschätzen.

Analyse von Daten aus fünf Ländern

Die Forscher werteten für das Jahr 2018 die Wetterradar-Daten aus Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg aus. In diesen fünf Ländern erzeugten rund 42.000 Windturbinen rund 718 Petajoule Energie, was der Jahresproduktion von 18 Kernkraftwerken entspricht.

Laut den statistischen Analysen galten im Durchschnitt fast 800 Vögel pro Turbine als gefährdet. Das Team modellierte daraufhin Abschalt-Szenarien, um 50 bis 90 Prozent der potenziellen Kollisionen zu vermeiden.

Bei einem Ansatz stoppten die Anlagen nur, wenn die Zahl potenzieller Zusammenstöße pro erzeugbarer Kilowattstunde Strom einen Grenzwert überschritt. Bei diesem Szenario würden die Betreiber lediglich 1,2 bis 7,6 Prozent der jährlichen Energieproduktion einbüßen.

Länderübergreifende Regelungen für den Vogelschutz

Feste Abschaltungen während des stärksten Vogelzugs oder während dem Auftreten einer bestimmten Vogeldichte würden dagegen zu Verlusten von zwei bis 20 Prozent der Stromproduktion führen. Da sich die Migration auf kurze Phasen konzentriert, könnten laut den Forschern zeitlich begrenzte Beschränkungen der Windkraftproduktion ausreichen.

Für den Schutz von Zugvögeln wären jedoch länderübergreifende Regelungen und eine gemeinsame Koordination notwendig. Die Berechnungen der WSL sollen deshalb künftig auf ganz Europa und auf längere Zeiträume ausgeweitet werden. Biodiversitätsforscherin Silke Bauer erklärte zu den Absichten der Untersuchung:

Viele Menschen lehnen Windturbinen ab, weil sie glauben, dass diese eine enorme Menge an Vögeln töten. Ich möchte nachhaltige Energieproduktion und Vogelschutz vereinbaren und aufzeigen, dass es Strategien gibt, um die Zahl gefährdeter Vögel zu reduzieren.

Hinweis: Es ist unbestritten, dass Vögel durch Kollisionen mit Windrädern sterben. Das genaue Ausmaß lässt sich aber nur schwer beziffern. Da der Klimawandel Vögel jedoch noch mehr bedroht als Windräder, befürworten viele Tierschützer dennoch den Ausbau. Hinzu kommt ein oftmals verzerrtes Bild. Denn so tragisch das Vogelsterben durch Windräder auch ist: Durch Glasscheiben, Verkehr, Hauskatzen oder Stromleitungen verenden jedes Jahr weitaus mehr Vögel.

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