Mit ICEBlock steht in den USA eine App zur Verfügung, die in einem Radius von etwa acht Kilometern aktuelle Sichtungen von Mitarbeitenden der US-Einwanderungsbehörde ICE meldet. Ziel der Anwendung ist es, möglicherweise betroffene Personen und Familien über Aktivitäten wie Razzien und Festnahmen in der Nähe zu informieren, ohne dabei personenbezogene Daten zu erheben oder weiterzugeben.
Die Anwendung basiert vollständig auf nutzergenerierten Inhalten und verzichtet auf Werbung, Nutzerkonten oder eine verpflichtende Registrierung.
Im Mittelpunkt steht ein interaktiver Kartendienst, auf dem Sichtungen durch Antippen eines Ortes gemeldet und in Echtzeit angezeigt werden können. Andere Nutzer erhalten dann eine Benachrichtigung auf ihren Gerät. Dies funktioniert auch dann, wenn die App im Hintergrund läuft. Die Positionsermittlung erfolgt standortbasiert, eine Angabe zur eigenen Identität ist nicht erforderlich.
Keine Aufforderung zur Konfrontation
Der Entwickler der App, Joshua Aaron, betont in Medieninterviews, dass ICEBlock ausschließlich dem Zweck dient, Nutzer frühzeitig zu informieren. Weder sollen Behörden behindert noch ihre Mitarbeiter identifiziert werden. Die App formuliere ausdrücklich keine Aufforderung zur Konfrontation, sondern setze auf eine Strategie der Deeskalation. Wer eine Warnung erhalte, solle laut Aaron idealerweise eine andere Route wählen, um möglichen Begegnungen mit der Einwanderungsbehörde aus dem Weg zu gehen.
Die Anwendung, die im April veröffentlicht wurde, verzeichnet inzwischen über eine halbe Million Nutzerinnen und Nutzer. Übersetzungen in mehr als einem Dutzend Sprachen sollen den Einsatz für möglichst viele Menschen möglich machen. Neben Englisch sind unter anderem Spanisch, Vietnamesisch, Arabisch und Russisch verfügbar.
Kritik von Regierungsvertretern
Aus amerikanischen Regierungskreisen kommt Kritik an der App. Offizielle Stellen werfen ICEBlock vor, Gewalt gegen Behördenmitarbeiter zu begünstigen. Aaron weist diese Vorwürfe zurück. Die Zahl der tatsächlichen Übergriffe sei deutlich geringer als von der Regierung behauptet. Die App ermögliche zudem keine gezielte Nachverfolgung einzelner Personen, sondern beschränke sich auf das Ausspielen allgemeiner Ortsangaben. Als rechtliche Grundlage führt Aaron die in der US-Verfassung garantierte Meinungsfreiheit an.
Auf Online-Plattformen wie Reddit sind zahlreiche Einsätze der Behörde dokumentiert, bei denen die oft maskierten ICE-Mitarbeiter nicht nur Gewalt einsetzen, sondern auch Familien voneinander trennen und dabei häufig in ziviler Kleidung auftreten, ohne sich auszuweisen oder zu identifizieren.
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