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Wo bis 2014 noch täglich 80.000 Fahrzeuge über die A4 rollten, stehen heute über 2.800 Solarmodule auf dem alten Asphalt. Die Gemeinde Niederzier hat die stillgelegte Autobahntrasse im rheinischen Braunkohlerevier in einen Solarpark umgewandelt, der Strom für 210 Haushalte liefert. Das Projekt zeigt, wie Infrastrukturbrachen für die Energiewende genutzt werden können – und welche Herausforderungen dabei auftreten.
Die frühere Fahrbahn der Autobahn 4 bei Niederzier-Ellen dient heute der Erzeugung von Solarenergie. Bis zum Jahr 2014 rollten auf diesem Abschnitt täglich bis zu 80.000 Fahrzeuge. Da der Energiekonzern RWE die Fläche für den Tagebau Hambach benötigte, wurde die Trasse um zwei Kilometer nach Süden verlegt.
Seit 2017 stehen auf einem 620 Meter langen Teilstück der alten Autobahn über 2.800 Photovoltaik-Module. Fachkräfte montierten die Anlage direkt auf vorhandenen Bahnschwellen und Betonplatten. Durch diese Bauweise nutzten die Betreiber die bestehende Asphaltfläche, ohne den Boden zusätzlich zu versiegeln oder die Natur zu belasten.
Wie die Gemeinde Niederzier ihren Solarpark auf der A4 finanziert
Die Gemeinde Niederzier hält eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an der Betreibergesellschaft. Die restlichen 49 Prozent der Anteile gehören der Energie- und Wasserversorgung Stolberg. Um das Projekt umzusetzen, gewährte die Kommune dem Gemeinschaftsunternehmen ein Darlehen über 700.000 Euro.
Die Anlage sollte laut Planungen eine jährliche Rendite von drei Prozent nach Steuern abwerfen. Geschäftsführer Stefan Schlaugat räumte jedoch ein, dass die Einnahmen zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Er nannte geringere Sonneneinstrahlung und schwankende Marktbedingungen als Gründe für diese Entwicklung.
670.000 Kilowattstunden pro Jahr – was die Anlage wirklich leistet
Die Solarmodule liefern jährlich etwa 670.000 Kilowattstunden Strom bei einer Spitzenleistung von 749 Kilowatt-Peak. Mit dieser Menge lassen sich rechnerisch 210 Haushalte in der Gemeinde versorgen. Laut Expertenangaben spare der Betrieb der Anlage pro Jahr rund 400 Tonnen CO2 ein.
Dirk Rausch, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, sieht das Projekt als Musterbeispiel für den Strukturwandel. Die Anlage zeige, wie Flächen wie Deponien oder Militärgelände für die Energiewende reaktiviert werden könnten. Das Vorhaben veranschauliche den Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern.
Perspektiven nach der Kohleförderung
RWE betreibt im Umkreis des Tagebaus bereits drei weitere Solarparks, die insgesamt 19.000 Haushalte versorgen. Im Vergleich dazu besitzt die Anlage auf der Autobahn vor allem einen hohen symbolischen Wert. Die Photovoltaik-Anlage nutzt zudem die bestehende Strominfrastruktur des Energiekonzerns direkt vor Ort.
Die Zukunft des Standorts ist eng mit dem Ende der Braunkohleförderung im Jahr 2029 verknüpft. Ab 2030 soll das Restloch des Tagebaus Hambach über Jahrzehnte hinweg mit Rheinwasser geflutet werden. Die Solaranlage auf dem Autobahnstück könnte laut Einschätzungen noch bis weit in die 2040er Jahre hinein Strom produzieren.
Stefan Schlaugat, Geschäftsführer der Kommunalen Energiebeteiligung Niederzier, gegenüber Focus online: „Wir haben es damals für gut befunden, ökologischen Strom zu produzieren. Dafür eignet sich die stillgelegte Autobahn optimal.“ Er räumt aber auch ein, dass die Einnahmen „wegen einer geringeren Sonneneinstrahlung in den vergangenen Jahren und sich immer wieder verändernden Vermarktungsbedingungen für den produzierten Strom hinter der ursprünglichen Erwartung“ zurückblieben.
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