Das idividuelle User-Verhalten wird jetzt zur Werbebasis. Denn ChatGPT gibt inzwischen Daten von US-Nutzer:innen an Werbetreibende weiter. OpenAI hat dafür die eigene Datenschutzrichtlinie angepasst. Wie heise online und Wired berichten, nennt das Unternehmen darin erstmals Marketing-Partner:innen, mit denen Informationen geteilt werden können. Gleichzeitig setzt OpenAI Cookies ein, um Nutzer:innen auch außerhalb der eigenen Dienste zu erfassen, etwa bei der Nutzung von Social Apps.

Chats selbst sollen laut OpenAI nicht weitergegeben werden. Dennoch nutzt das Unternehmen Kennungen wie Cookie IDs oder Geräteinformationen, um Profile zu erstellen und personalisierte Werbung auszuspielen. Diese kann inzwischen auch direkt in ChatGPT erscheinen und soll sich deutlich vom Chat-Verlauf abheben.

OpenAI kündigte Anfang 2026 an, Werbeanzeigen einzuführen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Im Februar folgten erste Anzeigen für Free und Go User in den USA und im März dann der große Roll-out. Seit Kurzem bereitet das Unternehmen Pay-per-Click-Anzeigen sowie einen eigenen Ad Manager für ChatGPT vor. Die neue Privacy Policy setzt diesen Kurs konsequent fort.

ChatGPT Ads brechen mit OpenAIs Versprechen

© OpenAI via Canva

Standardmäßig aktiviert: OpenAI setzt auf Opt-out Tracking

OpenAI hat Nutzer:innen in den USA per E-Mail über die Änderungen informiert und schreibt darin:

We’ll now use cookies to promote OpenAI products and services on other websites. This does not impact your conversations in ChatGPT. Your conversations with ChatGPT are private and are not shared with marketing partners.

Wired hat die Voreinstellungen in OpenAI Apps mit zwei kostenlosen Accounts und zwei bezahlten Accounts überprüft und dazu den Bereich „Settings / Data Controls / Marketing Privacy“ verglichen. Bei den Free Usern war das Tracking aktiviert, bei je einem Plus und Enterprise Account dagegen deaktiviert. Die Voreinstellungen deuten darauf hin, dass OpenAI das Marketing Tracking als Opt-out-Modell angelegt hat, bei dem es für Free User standardmäßig aktiv ist. Wer nichts ändert, wird also erfasst.

Europäische Gesetze stellen höhere Hürden für KI-Werbung

In Chatbots geben Nutzer:innen häufig deutlich persönlichere Inhalte ein, teils auch beruflich sensible Unternehmensinformationen. OpenAI betont, dass diese Inhalte nicht an Werbepartner:innen weitergegeben werden. Gleichzeitig wertet OpenAI aus, wie User in den USA ChatGPT nutzen, etwa welche Funktionen sie verwenden oder wie oft sie zurückkehren. Daraus entstehen Profile, die zeigen, wofür sich diese User interessieren könnten. Diese Informationen können genutzt werden, um Werbung auszuspielen. Die neue Policy schafft die Grundlage dafür, solche Daten systematisch für Marketing-Zwecke einzusetzen.

Das wirft grundlegende Fragen auf. Für Nutzer:innen ist oft nicht nachvollziehbar, welche Daten genau ausgewertet werden und wie daraus personalisierte Werbung entsteht. Ebenso ist es für viele nicht eindeutig, wie verhindert wird, dass sensible Themen oder Nutzungssituationen indirekt in solche Auswertungen einfließen.

Ob und in welcher Form OpenAI solche Tracking- und Werbefunktionen in der EU umsetzen könnte, ist offen. In der Europäischen Union gelten mit der DSGVO und dem DSA deutlich strengere Anforderungen an den Umgang mit personenbezogenen Daten.

Adobe, Audible und Co.
– Advertiser verraten, warum sie auf ChatGPT werben

© OpenAI

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