70.000 Besucher:innen, mehr als 800 Speaker, riesige Brand Experiences, überfüllte Messehallen und Diskussionen über die Zukunft von KI, Marketing und digitaler Souveränität: Das OMR Festival 2026 hat erneut gezeigt, warum Hamburg für zwei Tage zum Epizentrum der internationalen Marketing- und Tech-Branche wird. Zwischen Tom Brady, Heidi Klum (mitsamt Hund), Bill Kaulitz, Lars Klingbeil, OpenAI, TikTok, diversen Podcast Hosts und politischen Debatten wurde deutlich: KI ist keine Zukunftsmusik mehr.
Während auf den Main Stages viel über KI-Agents, neue Search-Logiken und digitale Souveränität diskutiert wurde, verwandelten Rooftop Dinner, Creator Breakfasts, Brand Events und Networking Sessions ganz Hamburg erneut in eine verlängerte Festival-Fläche.
Big Player wie TikTok, Meta, Google, OpenAI und Pinterest sowie zahlreiche KI-Startups verwandelten die Messehallen der OMR in eine Mischung aus Zukunftslabor, Creator Playground und Tech-Festival. Während Porsche Besucher:innen mit einem Indoor-Autoscooter durch die Hallen schickte und HBO Max Drachenreiten im House of the Dragon-Stil inszenierte, wurde zwischen all dem Entertainment trotzdem auffällig ernst über KI, digitale Souveränität und die Zukunft Europas diskutiert.
Nick Turley und Lars Klingbeil diskutieren Deutschlands KI-Zukunft
Das zentrale Thema der OMR 2026 war ohne Zweifel KI. Allerdings wurde deutlich differenzierter darüber gesprochen als noch 2025. Statt bloßer Euphorie dominierten Diskussionen über Agent-Systeme, Produktivität, Advertising, Search, Regulierung und konkrete Business-Anwendungen.
OpenAI: Vom Chatbot zur proaktiven Assistenz
Das Erstaunliche an dieser Technologie ist, wie schnell man sich daran gewöhnt,
erklärte Nick Turley, Head of ChatGPT bei OpenAI, beim Pressebriefing, bei dem OnlineMarketing.de vor Ort war.
Turley sprach ausführlich darüber, wie sich ChatGPT von einem reaktiven Chatbot hin zu einer proaktiven Assistenz entwickelt. Zukünftig soll der KI-Dienst Aufgaben eigenständig übernehmen, priorisieren und vorbereiten. Denn laut Turley sei es eigentlich
ziemlich unnatürlich, dass man der KI jedes Ziel und Problem immer wieder komplett erklären muss.
Bemerkenswert ist die enorme Relevanz Deutschlands für OpenAI. Laut Turley ist Deutschland heute OpenAIs größter ChatGPT-Markt in Europa und zählt weltweit zu den drei wichtigsten Märkten für zahlende Abonnent:innen. Gleichzeitig liegt Deutschland bei den wöchentlich aktiven ChatGPT-Nutzer:innen europaweit auf Platz eins und gehört weltweit zu den Top-3-Märkten für Entwickler:innen. Die Zahl der wöchentlich aktiven Codex User in Deutschland ist laut OpenAI seit Januar 2026 um 720 Prozent gestiegen.
Für Fragen zu ChatGPT Ads und dem jüngst gestarteten Ads Manager blieb beim Media Lunch leider keine Zeit mehr – obwohl OpenAI mit neuen Werbeformaten, Context Hints und KI-basiertem Advertising aktuell eines der relevantesten Themen der Branche vorantreibt.
Googles neue Search-Realität und State of the Internet
Google wiederum machte auf der OMR deutlich, wie fundamental KI die Zukunft von Search verändert. Brendon Kraham, VP Global Search Ads & Commerce bei Google, bezeichnete die aktuelle Transformation als größeren technologischen Umbruch als den Wechsel zum mobilen Internet.
Auch die traditionelle OMR-Keynote State of the Internet von Philipp Westermeyer und OMR-Chefredakteur Roland Eisenbrand zeigte, wie stark KI inzwischen das gesamte Internet verändert. Die Nachfrage war so groß, dass die Session 2026 gleich zweimal auf der Conference Stage stattfand.
Lars Klingbeil über KI, Europa und digitale Souveränität
Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil verband auf der OMR wirtschafts- und technologiepolitische Themen mit einer ungewöhnlich offenen Analyse der aktuellen Regierungslage. Zum ersten Jahrestag der schwarz-roten Koalition räumte Klingbeil ein, dass es zuletzt „viel zu viel Streit“ zwischen CDU und SPD gegeben habe. Gleichzeitig positionierte er sich klar beim Thema digitale Souveränität und europäische Unabhängigkeit. Deutschlands Zukunft dürfe nicht „im Weißen Haus, im Kreml oder in China“ entschieden werden. Mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland stellte Klingbeil zudem stärkere Unterstützung für die Startup- und Digitalszene in Aussicht.
Wir werden uns bemühen, die Finanzierung von Scale-ups zu stärken,
sagte der Vizekanzler auf der OMR-Bühne.
Philipp Klöckner warnt vor dem „Adoption Gap“
In seiner vollbesetzten Keynote analysierte Doppelgänger-Host Philipp Klöckner die Entwicklungen rund um Anthropic, Nvidia, OpenAI, SpaceX und xAI und sprach gleichzeitig von einem „krassen Adoption Gap“. Trotz des enormen medialen Hypes würden laut Klöckner „99,7 Prozent der Menschen nach wie vor nicht für KI bezahlen“. Gleichzeitig hätten weiterhin nur rund 20 Prozent der Mitarbeitenden überhaupt Zugang zu KI-Tools im Arbeitsalltag. t3n-Redakteurin Stella-Sophie Wojtczak zeigt auf TikTok Eindrücke von Philipp Klöckners KI-Keynote auf der OMR 2026.
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State of Podcast bei der OMR 2026
Podcasts sind nicht nur bei den Golden Globes, auf Netflix und Co., sondern auch auf der diesjährigen OMR omnipräsenter denn je. Von Gemischtes Hack über Sophie Passmann bis hin zu Fast & Curious, Tim Gabel, Paul Ronzheimer oder den Doppelgänger Hosts Philipp Klöckner und Philipp Glöckler zeigte sich, wie stark sich das Medium inzwischen professionalisiert und in Richtung Video, Plattformökonomie und Community-Bindung entwickelt.
Podcasts werden zu Medienmarken
Auf der HBO Max Stage diskutierten zudem Bastienne Früh und Florian Rinke von Podstars by OMR über den State of Podcast, Plattformkämpfe zwischen Spotify, YouTube und Apple sowie die Frage, warum „Wir machen jetzt auch Video“ längst keine Strategie mehr ist. OnlineMarketing.de hat zudem vor Ort ein Interview mit Podstars-Geschäftsführerin Bastienne Früh geführt.
Früh erklärte, dass Podcasts heute deutlich stärker als plattformübergreifende Medienmarken gedacht werden müssten. Erfolgreiche Formate entstünden nicht mehr allein über Audioreichweite, sondern vor allem durch klar definierte Zielgruppen, Community-Bindung, Videoformate und plattformspezifischen Content für TikTok, YouTube, Instagram oder Spotify. Gleichzeitig warnte sie davor, Podcasts einfach als Long-Version auf YouTube hochzuladen. Die besondere Nähe zwischen Hosts und Community mache Podcasts laut Früh für Marken besonders relevant.
Podcast ist ein super spannendes Medium, weil es so eine Intimität hat, die sonst relativ wenig Medien bieten können,
erklärte sie im Gespräch.
Video-Podcasts erreichen neuen Peak
Laut der neuen Podcast-Umfrage 2026 von Podstars by OMR und Appinio vertrauen 73 Prozent der Hörer:innen den Empfehlungen ihrer Lieblings-Podcasts, 24 Prozent haben nach Podcast-Werbung bereits ein Produkt gekauft. Weitere spannende Zahlen aus der Studie: Laut der repräsentativen Studie hören inzwischen 70 Prozent der Deutschen mindestens einmal pro Woche Podcasts. Besonders bemerkenswert: Erstmals bevorzugt mit 52 Prozent die Mehrheit Video-Podcasts statt reinem Audio. YouTube bleibt mit 76 Prozent die wichtigste Plattform für visuelle Podcast-Formate.
Auch Saruul Krause-Jentsch, Head of Podcast Europa bei Spotify, sprach gemeinsam mit Felix Lobrecht und Tommi Schmitt von Gemischtes Hack (Top zwei der Spotify Podcasts weltweit) darüber, warum Podcasts längst weit mehr sind als reine Reichweitenprodukte. Im Fokus standen Community-Bindung, Loyalität und die Frage, wie aus regelmäßigen Hörer:innen echte Fandoms entstehen.
Warum Podcasts aktuell ihren Peak erreichen, welche Rolle Video und KI für Discoverability spielen und wieso immer mehr Frauen den Markt prägen, hat sie uns im Podcast Interview mit OnlineMarketing.de erklärt. Das gesamte Gespräch kannst du in einer aktuellen Folge von TAP INTO MARKETING hören.
Zwischen Entertainment, Politik und Tech-Zukunft
Dass die OMR längst weit mehr als eine klassische Marketing-Messe ist, wurde 2026 erneut deutlich. Zwischen NFL-Legende Tom Brady, Heidi Klum, OpenAI, TikTok-Stars, Minister:innen und KI-Founder:innen wirkte das Festival stellenweise wie eine Mischung aus Zukunftsgipfel, Creator Convention und Internet-Popkultur in XXL. Während Heidi Klum über Entertainment und Personal Branding sprach, diskutierte Tom Brady über Leistungsdruck und Leadership. Meredith Whittaker von Signal warnte vor den Risiken datengetriebener KI-Systeme, Josephine Ballon von HateAid vor digitaler Gewalt, sexualisierten Deepfakes und Plattformversagen. Besonders eindringlich war zudem der Auftritt von Wladimir Klitschko, der das Publikum daran erinnerte, „bei aller Partylaune die Ukraine nicht zu vergessen“. Die Wehrhaftigkeit der Ukraine sei laut Klitschko auch dank Digitalisierung möglich gewesen.
Genau diese Mischung aus AI Hype, Creator Economy, Politik, Plattformökonomie und Entertainment macht die OMR inzwischen zu einem der relevantesten Digitalevents Europas. Hamburg wurde für zwei Tage zum Treffpunkt der internationalen Internet- und Marketingwelt mit Besucher:innen aus über 40 Ländern, riesigen Brand Experiences, Side Events, Networking-Dinners und Diskussionen über die Zukunft digitaler Macht.
Vielleicht lag genau darin die eigentliche Botschaft der OMR 2026: Während KI immer mehr Inhalte, Werbung und Workflows automatisiert, werden menschliche Faktoren wie Vertrauen, Community, Persönlichkeit und echte Aufmerksamkeit gleichzeitig wertvoller denn je.
