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Künstliche Intelligenz verändert die Kriegsführung nicht nur technologisch, sondern auch wirtschaftlich. Es wächst ein neues industrielles Ökosystem rund um Militär-KI. Aktuelle Analysen ordnen ein, welche Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette mitmischen. Von Cloud-Infrastruktur über Basismodelle bis hin zu konkreten KI-Anwendungen: Im folgenden Überblick erklären wir dir, wie die Branche aufgebaut ist. 

Künstliche Intelligenz gilt als eine der Schlüsseltechnologien unseres Zeitalters und damit auch der modernen Kriegsführung. Von der Auswertung großer Datenmengen über autonome Systeme bis hin zur Unterstützung militärischer Entscheidungen verändert sie bereits heute die Art und Weise, wie Streitkräfte planen, operieren und auf Bedrohungen reagieren.

Parallel dazu entsteht eine neue globale Industrielandschaft, in der Rüstungsunternehmen, Tech-Konzerne und spezialisierte Start-ups zunehmend zusammenarbeiten. Forscher des unabhängigen Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) haben diese Zusammenhänge analysiert.

Entstanden ist ein Hintergrundpapier, das einen Überblick über die Branche für militärische KI ermöglicht. Dieses soll politischen Entscheidungsträgern, Medien und der interessierten Öffentlichkeit ein Verständnis für die Vielfalt der beteiligten Produkte, Akteure und Beziehungen vermitteln.

Wo wird KI beim Militär eingesetzt?

Künstliche Intelligenz kommt heute bereits in einer Vielzahl von Bereichen in unserer Gesellschaft zum Einsatz. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine einzelne Technologie, sondern eher um einen Sammelbegriff für eine Vielzahl von Anwendungen – und das gilt auch für den militärischen Bereich.

KI-Anwendungen werden von unterschiedlichen Unternehmen entwickelt und bereitgestellt. Die militärische KI-Industrie lässt sich daher laut dem SIPRI-Bericht nicht eindeutig abgrenzen.

Denn viele Unternehmen, die an militärischen KI-Entwicklungen beteiligt sind, konzentrieren sich per se überhaupt nicht auf die Erstellung von KI-Modellen. Vielmehr greifen hier zahlreiche Akteure entlang der gesamten technologischen Wertschöpfungskette ineinander.

In ihrem Hintergrundpapier haben die SIPRI-Forscher die Branche für militärische KI daher in drei Bereiche unterteilt. In einem „Stack“-Modell ordnen sie die beteiligten Unternehmen und Technologien entlang der verschiedenen Ebenen der Wertschöpfungskette an.

Diese Bereiche spielen eine Rolle für militärische KI

In ihrem Stack-Modell stellen die SIPRI-Forscher das geschichtete Ökosystem aus Software und Hardware dar, das KI-Anwendungen überhaupt erst ermöglicht. In der untersten Ebene finden sich hier Hardware-Komponenten sowie die Infrastruktur.

Dazu zählen physische Rechenressourcen wie beispielsweise Computerchips, Rechenzentren oder Glasfaserkabel. Aber auch Energienetze sowie Speicher in Cloud-Infrastrukturen von Microsoft Azure oder Amazon Web Services zählen dazu.

Die zweite Ebene umfasst Basissoftware und Programmierung. Hierzu zählen beispielsweise KI-Basismodelle wie große Sprachmodelle, Frameworks für Programmierung und Training sowie Datenpipelines, die Daten und Algorithmen in maschinelle Intelligenz überführen. Diese Ebene stellt die technologischen Grundlagen bereit, auf denen nachgelagerte KI-Anwendungen aufbauen.

Laut den Forschern ist dieser Bereich von entscheidender Bedeutung, da er Faktoren wie die Sicherheit und Zuverlässigkeit der daraus resultierenden Anwendungen bestimmt. Beispiele für diese Basismodelle sind das GPT-Modell von OpenAI oder das Claude-Modell von Anthropic.

Die dritte Ebene des Stack-Modells beschreibt den Anwendungsbereich. Hier wird KI in domänenspezifische Systeme integriert, die darauf ausgelegt sind, Aufgaben für militärische Endnutzer zu erfüllen.

Hierbei kommen nicht mehr nur Basismodelle zum Einsatz, sondern spezialisierte KI. Dazu gehören Modelle, die spezifische, klar umrissene Aufgaben lösen und die Interaktion zwischen Mensch und KI-System festlegen.

Wer macht Militär-KI? Akteure vom Chip bis zum Einsatzsystem

„Die Branche für militärische KI ist nicht nur vielfältig, sondern unterliegt auch einem raschen Wandel“, schreiben die SIPRI-Forscher in ihrem Hintergrundbericht. Bei der militärischen KI handle es sich um ein bedeutendes Geschäftsfeld, an dem viele Unternehmen teilhaben wollen.

Dabei handle es sich sowohl um etablierte als auch neue Unternehmen, wodurch ein diversifiziertes Ökosystem entstanden ist. Die Forscher unterteilen die Akteure in vier Kategorien anhand ihrer Geschäftsmodelle.

1. Kategorie: Defence Primes – warum die großen Rüstungskonzerne mitmischen

In der ersten Kategorie finden sich dabei die sogenannten „Defence Primes“, also große, etablierte Rüstungsunternehmen. Diese verfügen über direkte, mehrjährige Regierungsaufträge für militärische Programme und Fähigkeiten.

Sie stehen hinter komplexen Lieferketten und stellen hoch entwickelte Systeme wie Kampfflugzeuge, gepanzerte Fahrzeuge, U-Boote und Luftverteidigungssysteme zur Verfügung. Diese Großunternehmen der Rüstungsindustrie sind bestrebt, mit den neuesten Fortschritten im Bereich der KI Schritt zu halten.

Dafür entwickeln sie beispielsweise mit Start-ups und anderen Firmen mit spezifischen KI-Kompetenzen Partnerschaften oder beauftragen sie als Unterauftragnehmer. Ein Beispiel hierfür ist der schwedische Konzern Saab, der im Jahr 2023 das US-Unternehmen CrowdAI übernommen hat. Oder auch der französische Rüstungskonzern Safran, der 2024 das auf KI-gestützte Geodatenanalyse spezialisierte Unternehmen Preligens übernommen hat.

2. Kategorie: Neoprimes – Start-ups entwickeln statt abwarten

In der zweiten Kategorie finden sich sogenannte „Neoprimes“. Dabei handelt es sich um Start-ups, die erst deutlich später gegründet wurden als die etablierten Rüstungskonzerne. Meist sind diese Unternehmen auf die Bereitstellung von Software- und Datenprodukten spezialisiert und bieten entsprechende Dienstleistungen für den Rüstungsmarkt an.

Den größten Unterschied zwischen „Defence Primes“ und „Neoprimes“ sehen die SIPRI-Forscher in ihrem Innovationsansatz. Denn während die etablierten Rüstungskonzerne auf einen konkreten Bedarf von Verteidigungsministerien warten, investieren Neoprimes in eigene Forschung und Entwicklung und vermarkten fertige Produkte an militärische Kunden.

Zu diesen Unternehmen gehören zum Beispiel Hersteller von autonomen Drohnen wie Skydio oder Entwickler von Technologien zur Abwehr von Drohnenschwärmen wie Epirus. Bekanntere Unternehmen seien führende Anbieter von Gefechtsführungssoftware, die Daten zusammenführt und analysiert, um die operative Entscheidungsfindung zu unterstützen, wie beispielsweise Anduril, ShieldAI und Helsing.

3. Kategorie: Big Tech – Cloud und Infrastruktur als militärischer Hebel

Die dritte Kategorie bildet „Big Tech“, also die weltweit dominierenden Technologiekonzerne wie Microsoft, Google, Amazon, Meta und Oracle. Diese Konzerne bieten ein breit gefächertes Angebot an digitalen Produkten und Dienstleistungen und sind sowohl auf zivilen als auch auf militärischen Märkten tätig.

„Big Tech“ bietet für den militärischen Sektor vor allem Infrastruktur, wie beispielsweise Cloud-Plattformen oder Rechenzentren. Meta und Google beispielsweise haben hierfür Tiefsee-Glasfaserkabel verlegt, um ihre Cloud-Computing-Dienste zu unterstützen. Zudem seien sie mit militärischen Anwendungen von KI in Verbindung gebracht worden.

4. Kategorie: Foundation Models – von Distanz zu Partnerschaften

In der vierten Kategorie finden sich Anbieter von sogenannten Foundation Models, also Basismodellen im Bereich der KI. Es handelt sich um Unternehmen, die ähnlich wie „Neoprimes“ und Start-ups noch relativ jung im Verteidigungssektor sind.

Ursprünglich lehnten viele Anbieter von Basismodellen den militärischen Einsatz ihrer KI-Tools ab, doch diese Haltung hat sich in den letzten zwei Jahren gewandelt.

Eines der prominentesten Beispiele für diese Kategorie ist OpenAI, das im Januar 2024 das Verbot aufhob, seine Produkte für „militärische Zwecke und Kriegsführung“ zu nutzen. Anthropic ging im selben Jahr einen ähnlichen Weg. Um KI-Modelle für militärische Zwecke bereitzustellen, ging das Unternehmen Partnerschaften mit Palantir und Amazon Web Services ein.

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