Der Beitrag SpaceX-Börsengang macht Musk zum Billionär– im höchste Luftschloss aller Zeiten erschien zuerst beim Online-Magazin BASIC thinking. Über unseren Newsletter UPDATE startest du jeden Morgen bestens informiert in den Tag.
SpaceX hat mit seinem Börsengang den größten IPO der Geschichte hingelegt: 75 Milliarden US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie der bisherige Rekordhalter Aramco. Doch hinter den Rekordzahlen verbergen sich erhebliche Risiken. Von politischen Interessenkonflikten über Augenwischerei bis hin zu einer extremen Abhängigkeit von Elon Musk. Eine kommentierende Analyse.
Der SpaceX-Börsengang in Zahlen
Anfang 2026 hat Elon Musk seine Raumfahrtfirma SpaceX und sein KI-Unternehmen xAI im Rahmen eines gigantischen Deals zusammengelegt. Dadurch polierte er die Finanzstruktur beider Firmen künstlich auf. Berichten zufolge sollen 250 Milliarden US-Dollar an xAI geflossen sein. Der Zusammenschluss galt damals bereits als Vorbote auf den Börsengang. Musks Vision: Ein Macht-Imperium im All. Allmacht sozusagen, mit terrestrischen KI-Rechenzentren, Kolonien auf dem Mars und dem Satelliten-Internetdienst Starlink. Alles getragen von den Raketen von SpaceX.
Am 11. Juni 2026 hat SpaceX seinen angepeilten Börsengang perfekt gemacht und für insgesamt 75 Milliarden US-Dollar Anteile verkauft. Elon Musk wurde mit Anteilen von rund 40 Prozent damit zum ersten Billionär der Welt – zumindest auf dem Papier. SpaceX hat 555.555.555 Anteile zum Preis von jeweils 135 US-Dollar verkauft. Damit stößt das Unternehmen den bisherigen Rekordhalter, die saudi-arabische Ölfirma Aramco, die 2019 gut 29 Milliarden US-Dollar eingenommen hatte, vom Thron. Die SpaceX-Aktie wird zum Start unter dem Kürzel SPCX an der US-Börse Nasdaq gehandelt.
Berichten zufolge lag die Nachfrage am ersten Handelstag bereits deutlich über dem Angebot. SpaceX soll den beteiligten Banken nach eigenen Angaben die Option eingeräumt haben, innerhalb von 30 Tagen weitere 83,3 Millionen Aktien zum Ausgabepreis zu erwerben. Damit könnten die Einnahmen sogar auf rund 86 Milliarden US-Dollar steigen. Insgesamt hat SpaceX vorerst circa fünf Prozent seines Unternehmens veräußert. Berechnungen zufolge kommt das Unternehmen nach dem Börsengang auf einen Marktwert von 1,8 Billionen US-Dollar und hat sich in die Top Ten der wertvollsten Unternehmen der Welt katapultiert – noch vor Tesla.
Rekord-Börsengang: Es ist nicht alles gold, was glänzt
Der Börsengang von SpaceX wurde wie die letzte rettende Rakete zum Abflug auf den Mars beworben. Banken, Broker und Börsenkommentatoren rührten begeistert die Werbetrommel, die stellenweise eher an Fanclub-Arbeit als an eine nüchterne Finanzanalyse erinnert hat.
Dabei ist die Geschichte hinter dem Rekord-IPO weitaus weniger glamourös, als die Hochglanzpräsentationen suggerieren. Elon Musk verkauft nämlich nicht einfach Anteile an einem Unternehmen. Er verkauft Zukunftserzählungen und Versprechen, die sich heute kaum überprüfen lassen.
SpaceX schwadroniert sogar von einem schier wahnwitzigen Potenzial von 28,5 Billionen US-Dollar. Eine Größenordnung, die ungefähr einem Viertel der gesamten globalen Wirtschaftsleistung entspricht. Solche Zahlen wirken weniger wie seriöse Marktanalysen und eher wie Science-Fiction. Klar: SpaceX hat die Raumfahrt revolutioniert und privatisiert. Doch zwischen wiederverwendbaren Raketen und einem Markt, der größer sein soll als ganze Industriezweige zusammen, klafft eine gewaltige Lücke.
Oder um es anders zu sagen: Seifenblasenhändler Elon Musk verkauft einmal mehr ein Luftschloss – und zwar das höchste aller Zeiten. Doch: SpaceX lebt nicht in einem luftleeren Raum, sondern in erheblichem Maß von staatlichen Aufträgen. Umso heikler wirkt die Tatsache, dass mehrere US-Regierungsmitglieder und Vertraute aus dem Trump-Umfeld Beteiligungen an dem Unternehmen halten, während dieselben politischen Akteure Einfluss auf milliardenschwere Vergabeentscheidungen haben.
Das Problem dabei sind nicht die Investitionen selbst, sondern die Vermischung von politischer Macht und wirtschaftlichem Eigeninteresse. Ein waschechter Interessenkonflikt sozusagen. Anleger sollten deshalb genauer hinschauen, bevor sie sich von einem Countdown mitreißen lassen.
Denn tatsächlich kommt nur ein kleiner Teil des Unternehmens überhaupt an die Börse. Die künstliche Verknappung kann den Kurs zwar zunächst wie eine Rakete emporsteigen lassen, weil viele Käufer auf wenige Aktien treffen. Doch derselbe Mechanismus kann später in die andere Richtung schwenken, weil SpaceX Altaktionären die Möglichkeit gibt, Aktien viel schneller zu verkaufen als nach der üblichen Ein-Jahres-Frist.
Stimmen
Gwynne Shotwell, Präsidentin und COO von SpaceX, in einem Interview mit CNBC zum Börsengang: „Ich war mir nicht sicher, ob wir an die Börse gehen würden. Zu Beginn war es uns wichtig, ein Privatunternehmen zu sein, da wir uns nicht auf Quartalszahlen konzentrierten, sondern ganz auf die langfristigen Aussichten des Unternehmens. Doch mittlerweile haben wir so viele Bausteine für so viele verschiedene Geschäftsbereiche fertiggestellt, dass es sich jetzt tatsächlich wie der richtige Zeitpunkt anfühlt. (…) Wir denken sehr langfristig. Ich sage nicht, dass wir unseren Investoren gegenüber nicht verantwortungsvoll handeln werden, aber wer in SpaceX oder SpaceXAI investiert, muss sich bewusst sein, dass das, was wir tun, sehr zukunftsorientiert ist und wir sowohl an die Zukunft als auch an das aktuelle Quartal denken sollten.“
Stephan Kemper, Chef-Anlagenstratege von BNP-Paribas, warnt gegenüber der Tagesschau: „Eine unprofitable Firma mit der Hoffnung auf zukünftige stark steigende Gewinne stemmt einen Rekordbörsengang – das weckt natürlich Erinnerungen an die Technologieblase Ende der 1990er. (…) Die aktuellen Eigentümer dürften bereits in den nächsten sechs Monaten einen Großteil ihrer Anteile verkaufen. Das könnte zu einem anhaltenden Druck auf der Aktie führen – und es ihr schwer machen, zur Kursrakete zu werden.“ Auch Vermögensverwalter Georg von Wallwitz ist skeptisch: „Diese Goldgräberstimmung, diese Euphorie, die ist doch sehr ähnlich – und gibt erfahrenen Investoren Anlass, etwas vorsichtiger zu sein. Elon Musk beflügelt die Fantasie der Anleger. (…) Wahrscheinlich kann man einen schnellen Dollar machen, der Hype ist schon groß. Aber langfristig dürften die Renditen überschaubar bleiben.“
Die Organisation Safe AI Now (SAIN) hat im Rahmen einer Protestaktion eine riesige, aufblasbare Figur von Elon Musk auf dem Times Square in New York platziert. In einer Stellungnahme heißt es: „Musk hat eine gefährliche und ausbeuterische KI entwickelt, den Schaden vertuscht, sie mit SpaceX fusioniert und verkauft diese Belastung nun für 135 Dollar pro Aktie an die Öffentlichkeit. Die SpaceX-Aktionäre haften für jede bevorstehende Klage gegen Grok, jede strafrechtliche Ermittlung und jede behördliche Geldstrafe. (…) Diese aufblasbare Figur ist zwar eine treffende Metapher – ähnlich wie Musk und seine Unternehmen ist sie aufgeblasen, voller heißer Luft und könnte jeden Moment platzen –, doch sie dient als Warnung an Investoren, die am Freitagmorgen eifrig in Musks SpaceX-Börsengang einsteigen wollen.“
Wie riskant ist die SpaceX-Aktie?
Mit dem Börsengang verändert sich die Eigentümerstruktur von SpaceX, nicht aber die Machtverteilung. Elon Musk wird dank seiner Stimmrechtsmehrheit von mehr als 80 Prozent auch künftig die volle Kontrolle behalten. Das macht die Firma einzigartig, aber auch extrem verwundbar. Denn kaum ein Konzern dieser Größenordnung ist so eng mit einer einzelnen Person verbunden. Musk ist Visionär, Markenbotschafter, Technikchef und politischer Risikofaktor in Personalunion.
Die Abhängigkeit von ihm ist so groß, dass sie selbst im Börsenprospekt ausdrücklich beschrieben wird. Indes: Die Visionen bleiben gewaltig. Rechenzentren im All, globale Satellitennetze und langfristig sogar Kolonien auf anderen Himmelskörpern wie dem Mars. Das sind Projekte, die zwischen Ingenieurskunst und Größenwahn pendeln – je nachdem, wen man fragt.
Anleger kaufen damit nicht die Erträge von heute, sondern Hoffnungen auf morgen. Und genau darin liegt der Knackpunkt. Denn SpaceX muss nicht einmal scheitern, um Investoren zu enttäuschen. Es genügt, wenn die Realität etwas langsamer, teurer oder komplizierter verläuft als die spektakulären Zukunftsversprechen, die in die Bewertung eingearbeitet wurden.
Zusätzlichen Gegenwind könnte die Entscheidung von S&P Global bringen, die Regeln für eine schnellere Aufnahme in den S&P 500 nicht anzupassen. Während der Nasdaq entgegenkam, bleibt der wichtigste Aktienindex der Welt damit vorerst auf Distanz. Das nimmt dem Markt einen wichtigen Kurstreiber.
Denn solange passive Milliarden aus Indexfonds nicht automatisch in die Aktie fließen, muss SpaceX seinen Börsenwert tatsächlich am Markt rechtfertigen. Das könnte selbst für eines der schillerndsten Unternehmen unangenehm werden. Am Ende steht also eine große Wette. Nicht auf Raketen, Satelliten oder Raumfahrt allein, sondern auf die Fähigkeit eines einzelnen Unternehmers, Erwartungen immer wieder in Begeisterung und Begeisterung in Milliarden umzuwandeln.
Denn was als SpaceX gehandelt wird, ist zu einem beträchtlichen Teil Musk-Mystik. Die politische Nähe zu Trump-Vertrauten macht die Angelegenheit zusätzlich zu einem Minenfeld. Denn wer investiert, setzt nicht nur auf Technologie, sondern auf ein Reality-Distortion-Field, das seit Jahren erstaunlich zuverlässig funktioniert. Die spannende Frage lautet aber nicht, ob die Musk-Geschichten gut sind. Die Frage lautet, wie lange sie noch jede Bewertung rechtfertigen können.
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