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Wie weit kommt ein Elektroauto wirklich? Der norwegische Automobilclub NAF hat 22 aktuelle Modelle unter realen Bedingungen getestet. Die Ergebnisse weichen teils deutlich von den Herstellerangaben ab. Ein BMW setzt sich überraschend klar an der Spitze durch, während ein chinesisches Modell fast zwölf Prozent unter seinem Versprechen bleibt. Ein Überblick.
Die Reichweite von Elektroautos auf dem Papier ist eine Sache, die tatsächliche Kilometerzahl eine andere. Um der Diskrepanz zwischen Herstellerangabe und Realität auf den Grund zu gehen, führt der norwegische Automobilclub NAF zweimal im Jahr seinen groß angelegten Reichweitentest El Prix durch. Für die Sommerausgabe 2026 wurden 22 beliebte E-Autos mit voll geladenem Akku auf die Strecke geschickt, um zu testen, wie weit sie kommen.
22 Elektroautos im Vergleich: So lief der Reichweitentest
Damit die Bedingungen für alle Fahrzeuge fair und vergleichbar sind, fahren beim El Prix sämtliche getesteten Elektroautos am selben Tag mit derselben Geschwindigkeit dieselbe Route durch Norwegen. Die Temperaturen lagen am Tag des Tests zwischen milden 12 und 18 Grad, die Straßen waren durchgehend trocken. Die Strecke bestand aus einer ausgewogenen Mischung aus Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahn.
Allerdings ist zu beachten, dass in Norwegen selten mehr als 110 km/h erlaubt sind. Dieses für deutsche Autofahrer vergleichsweise niedrige Tempo kommt den E-Autos entgegen, da es den Verbrauch senkt. Dafür ging es auf der gefahrenen Strecke überwiegend bergauf, wodurch dieser Faktor zumindest ansatzweise wieder ausgeglichen wurde.
Gemessen wurde die gefahrene Strecke bis zu dem Punkt, an dem ein Fahrzeug die Fahrleistung drosselt. Anders als ein Verbrenner bleibt ein Elektroauto bei fast leerem Akku nicht abrupt stehen, sondern schaltet in eine Art Notmodus, bei dem unter anderem die Höchstgeschwindigkeit eingeschränkt wird. Sobald dieser Moment eintrat, wurde von den NAF-Testern die bis dahin zurückgelegte Distanz gewertet.
Das Ergebnis der Studie ist aus deutscher Sicht erfreulich. Den Sieg holt nämlich ein Premium-Modell aus Bayern: der BMW iX3. Der Elektro-SUV ließ alle 21 Konkurrenten hinter sich und legte mit 781 Kilometern die mit Abstand weiteste Strecke zurück. Zur Einordnung: Das entspricht in etwa der Distanz von Berlin nach Brüssel. Der zweitplatzierte Lucid Gravity kam nur auf 720 Kilometer und blieb somit ganze 61 Kilometer früher stehen als der iX3.
Häufig optimistische Angaben der Hersteller
Neben der reinen Reichweite ist ein anderer Wert besonders interessant: die Abweichung der Herstellerangabe von der tatsächlichen Leistung. Das Ergebnis ist aber nicht auschließlich negativ, denn ungefähr die Hälfte der Elektroautos fuhr in dem Test sogar weiter als versprochen. Der klare Sieger in dieser Disziplin ist das chinesische E-Auto Xpeng X9, das 11,4 Prozent weiterkam als angegeben (646 statt 580 Kilometer). Bei einem schweren Siebensitzer ist ein solcher Wert nicht selbstverständlich.
Das Schlusslicht in dieser Kategorie stammt ebenfalls von einer chinesische Marke. Der MG IM6 blieb mit einer negativen Abweichung von 11,7 Prozent deutlich unter den Erwartungen und kam statt der versprochenen 505 nur 446 Kilometer weit. Das verwundert, vor allem, da das Schwestermodell MG S6 ein Plus von 3,4 Prozent erzielen konnte.
Eine Regel bei Akkus ist es, diese nie ganz zu laden oder zu leeren, um die Haltbarkeit zu erhöhen. Entsprechend sollte man ein Elektroauto im Alltag niemals komplett leer fahren, denn das kann im schlimmsten Fall den Akku schädigen. Deshalb hat der NAF zusätzlich erfasst, wie weit jedes Auto gekommen wäre, wenn man den Test bei einer Restladung von 20 beziehungsweise 10 Prozent gestoppt hätte.
Ein Beispiel, das die Relevant dieser Werte verdeutlicht, ist der Toyota bZ4X. Dieser konnte im Test exakt seine angegebene WLTP-Reichweite von 506 Kilometern erreichen. Bei 10 Prozent Restakku hatte er allerdings erst 429 Kilometer zurückgelegt. Und weiter sollten man eigentlich nicht fahren. Realistisch sind im Alltag also eher 429 statt 506 Kilometer – ein Unterschied von 77 Kilometern.
Und hier kommt die komplette Tabelle, mit allen Werten der 22 getesteten Elektroautos im direkten Vergleich, sortiert nach der vollen Reichweite bis zum Leistungsabfall:
Platz
Modell
Reichweite bis Stillstand
bei 10 % Restakku
bei 20 % Restakku
WLTP-Angabe
Abweichung WLTP
1
BMW iX3
781 km
665,6 km
587,2 km
770 km
+1,5 %
2
Lucid Gravity
720 km
598 km
518 km
748 km
−3,7 %
3
Mercedes-Benz CLA
675 km
585 km
514 km
708 km
−4,7 %
4
Mercedes-Benz GLC
665 km
578 km
509 km
643 km
+3,4 %
5
Xpeng X9
646,3 km
560 km
494,6 km
580 km
+11,4 %
6
Polestar 3
601,1 km
542,3 km
479,3 km
625 km
−3,8 %
7
Mercedes-Benz GLB
593 km
520 km
453 km
563 km
+5,3 %
8
Toyota C-HR+
586,5 km
507 km
457 km
607 km
−3,4 %
9
Kia EV4
574,5 km
505,3 km
453,1 km
594 km
−3,3 %
10
Hyundai Ioniq 9
565,8 km
504,4 km
455,5 km
600 km
−5,7 %
11
Smart #5
556 km
490,1 km
440 km
540 km
+3,0 %
12
Toyota bZ4X
505,9 km
429 km
400 km
506 km
0 %
13
MG S6
501,6 km
447,5 km
401,4 km
485 km
+3,4 %
14
Citroën Ë-C5 Aircross
500 km
430 km
372 km
513 km
−2,5 %
15
Mazda 6e
484 km
428 km
387 km
479 km
+1,2 %
16
BYD Atto EVO
460 km
407 km
359 km
470 km
−2,1 %
17
MG IM6
446,1 km
404 km
353,1 km
505 km
−11,7 %
18
Changan Deepal S05
431,6 km
385 km
350 km
445 km
−3,1 %
19
Hyundai Inster
372,5 km
342 km
311,9 km
360 km
+3,5 %
20
KGM Musso
369 km
339 km
317 km
379 km
−2,6 %
21
Dongfeng Vigo
347,8 km
321 km
300 km
340 km
+2,3 %
22
Kia EV2
324,7 km
280 km
250 km
308 km
+5,4 %
Ein Blick auf die Modelle aus Deutschland
Neben dem Sieger von BMW waren auch drei Modelle von Mercedes-Benz und der ebenfalls zu Mercedes gehörende Smart #5 am Start. Die beiden Elektro-SUVs GLB und GLC konnten jeweils ihre Herstellerangaben um 5,3 beziehungsweise 3,4 Prozent übertreffen. Sie fahren auf den Plätzen sieben und vier ein.
Beim CLA musste die Angabe der Reichweite um 4,7 Prozent reduziert werden. Das ist die drittgrößte negative Abweichung im gesamten Test. Trotzdem landet die Limousine bei der Gesamtreichweite auf dem dritten Rang. Für den relativ günstigen Smart #5 reicht es immerhin für einen Platz im Mittelfeld (Rang elf).
Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis. Die oben angegebenen Werte stammen aus einem Sommertest bei milden Temperaturen. Im Winter müssen Fahrer eines E-Autos mit deutlich höheren Verlusten bei der Reichweite rechnen. Im El Prix Wintertest schnitten alle Elektroautos deutlich schlechter ab.
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