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Die Kalk- und Zementindustrie ist für rund acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Sie galt bislang als kaum dekarbonisierbar, weil Treibhausgase direkt aus dem genutzten Gestein entweichen. Das ostdeutsche Start-up Litherm Technologies hat nun aber ein vollelektrisches Verfahren zur Kalzinierung entwickelt, das genau dieses Problem lösen soll.

Das Cleantech-Unternehmen Litherm Technologies aus Wernigerode will konventionelle Kalköfen durch eine vollelektrische Wirbelschicht-Kalzinierung ersetzen. Bei diesem Ansatz erhitzt Strom das feinkörnige Rohmaterial direkt, wodurch der Einsatz von Gas oder Kohle entfällt.

Das bei der Produktion unvermeidliche Prozess-CO2 fällt dadurch in hochkonzentrierter Form an. Es soll anschließend direkt verwertet oder gespeichert werden, um weitere Emissionen zu reduzieren. Diese CO2-Abscheidung ist in die Wärmerückgewinnung der Anlage eingebunden.

Vollelektrische Kalzinierung ersetzt klassischen Ofen

Das Verfahren erfordert nach Angaben des Start-ups weder zusätzliche Anlagen noch einen Extra-Energieaufwand. Eine entsprechende Pilotanlage läuft bereits auf dem Gelände der Fels-Werke in Elbingerode. Die erhaltene Seed-Finanzierung in Höhe von 6,5 Millionen Euro aus dem März 2026 dient nun dem nächsten Schritt zur ersten kommerziellen Demonstrationsanlage.

Auch das Fellowship-Programm von Bill Gates nahm Litherm Technologies auf. Zu den Investoren gehören unter anderem der kanadische Weltmarktführer Graymont sowie die Schweizer Kalkfabrik Netstal. Das übergeordnete Ziel der Beteiligten ist die Skalierung der Technologie für den großindustriellen Einsatz. Laut Graymont-Vizepräsident David Chamberlain ist die Kombination aus einer vollelektrischen Produktion und direkt nutzbarem CO2 als Nebenprodukt in dieser Form einzigartig.

Warum sich das Verfahren auch finanziell rechnet

Die Vermeidung von einem zusätzlichen Energiebedarf für die Abscheidung stützt die ökonomische Basis des Systems. Felix Nelles, Geschäftsführer von Litherm Technologies, erklärte dazu:

Unsere Technologie adressiert genau den Teil der Emissionen, der sich in der Kalk- und Zementindustrie nicht durch einfache Elektrifizierung lösen lässt. Dass wir das Carbon Capture ohne zusätzlichen Anlagenaufwand und Energiebedarf in den Prozess integrieren können, ist ein zentraler Hebel für die Wirtschaftlichkeit.

Kalk stellt einen unverzichtbaren Grundstoff für Dutzende von wichtigen Industrieprozessen dar. Das Material wird unter anderem in der Stahlherstellung, der Wasseraufbereitung und der Bauindustrie benötigt. Eine Dekarbonisierung dieses Sektors besitzt daher einen großen Einfluss auf gesamte nachgelagerte Wertschöpfungsketten. Bisher galt dieser chemische Prozess als einer der hartnäckigsten fossilen Abläufe, da das CO2 aus dem Gestein selbst entweicht.

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